Chatelain rät: Nur meine Rente bleibt unverändert

Ich bin seit elf Jahren Altersrentner und habe noch keinen einzigen Teuerungsausgleich erhalten. Ist das rechtens? Für uns wird ja auch alles teurer. E. A., La Roche FR

Sie sprechen von der Rente der Pensionskasse. Da muss ich Sie enttäuschen. Bezüger von Renten aus der beruflichen Vorsorge haben keinen gesetzlichen Anspruch einer Anpassung an die Teuerung. Der Stiftungsrat der Pensionskasse entscheidet, wie weit die Altersrente der Preisentwicklung angepasst wird. Bei IV-Rentnern ist das anders: Hier sind die Pensionskassen gesetzlich verpflichtet, die Renten nach bestimmten Vorgaben der Teuerung anzupassen.

Streng genommen müssen Sie froh sein, dass Ihnen die Rente nicht gekürzt wird. Als in den vergangenen Jahren zahlreiche Vorsorgestiftungen einen Deckungsgrad von unter 100 Prozent aufwiesen, wurde mitunter die Frage aufgeworfen, ob für die Sanierung nicht nur die Erwerbstätigen, sondern auch Rentnerinnen und Rentner zur Kasse gebeten werden sollen. Darauf entschied das eidgenössische Parlament, dass Renten nicht gekürzt werden dürfen. Hingegen könnten Anpassungen an die Teuerung rückgängig gemacht werden.

Dies hat zur Folge, dass nur die Erwerbstätigen, also die aktiv Versicherten zur Sanierung beitragen müssen. Wir haben hier also eine Solidarität zwischen aktiv und passiv Versicherten, wie sie eigentlich nicht erwünscht ist. Die berufliche Vorsorge ist so konzipiert worden, dass jeder seine Rente selber finanziert. Man spricht vom Kapitaldeckungsverfahren. Nun darf man nicht verschweigen, dass zahlreiche Rentnerinnen und Rentner in den Genuss einer Rente kommen, die sie gar nicht voll finanziert haben. Dies ist zwar nicht der Fehler der Rentner, aber auch nicht der Fehler der aktiv Beschäftigten, die nun für früher begangene Sünden geradestehen müssen.

Aus diesen Gründen sind Stiftungsräte von Pensionskassen zurückhaltend mit der Auszahlung eines Teuerungsausgleichs. Sie sagen sich: Wenn jemand von guten Finanzergebnissen profitieren soll, dann die aktiv Beschäftigten. Sie sind es, die im umgekehrten Fall in die Tasche greifen und im Extremfall die Renten der passiv Versicherten mitfinanzieren müssen.

 

Erschienen im BLICK am 1. Dezember 2007

Claude Chatelain