Fremdgehen lohnt sich bei Leibrenten nicht

Euro-Anlagen werfen höhere Renditen ab als Frankenanlagen - wenn man den Währungsverlust ausklammert.
Euro-Anlagen werfen höhere Renditen ab als Frankenanlagen - wenn man den Währungsverlust ausklammert.

Leibrenten in Euro sind nicht attraktiver als Renten in Franken. Ausser man zügelt in den Euro-Raum.

 

Leibrenten sind komfortabel, leider aber nicht sehr rentabel. Komfortabel, weil die Höhe der Rente lebenslänglich garantiert ist. Wenig rentabel, weil der für die Berechnung massgebende Zins bloss 2 Prozent beträgt. Bei einer Einmaleinlage von 300'000 Franken garantiert Axa Winterthur eine lebenslängliche Rente von 13'502 Franken. Dies entspricht einem Umwandlungssatz von 4,5 Prozent. Die Rente erhöht sich auf 16'291 Franken, sofern die in Aussicht gestellten Überschüsse ausbezahlt werden, entsprechend einem Umwandlungssatz von 5,43 Prozent. Dieser Wert ist bescheiden, wenn man bedenkt, dass der Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge auf dem obligatorischen Teil immer noch 7,1 Prozent beträgt.

Als Folge dieser wenig lukrativen Rente wird manch einer versucht sein, die Rentenversicherung in fremder Währung abzuschliessen. Einige Lebensversicherungsgesellschaften in der Schweiz bieten nämlich Leibrenten auch in Euro oder Dollar an. Diese garantieren in der Tat eine höhere Rente. Die massgebende Ziffer für die Rentenberechnung ist der technische Zins. Swiss Life und Axa Winterthur kalkulieren bei Euro-Policen mit einem technischen Zins von 2,75 Prozent, 75 Basispunkte mehr als bei vergleichbaren Versicherungen in Franken. Für Dollar-Renten beträgt der technische Zins bei Axa Winterthur 3 Prozent.

 

Rente bis zu 10 Prozent höher

 

In Zahlen bedeutet die höheren technischen Zinssätze Folgendes: Bei einer Einmaleinlage von 300'000 Euro garantiert Axa Winterthur eine Rente von 14'858 Euro. Hier beträgt der Umwandlungssatz 4,95 Prozent auf dem garantierten Teil; 5,65 Prozent auf der gesamten Rente inklusive nicht garantierter Überschüsse. Fazit: Die garantierte Rente in Euro ist 10 Prozent höher als die garantierte Rente in Schweizerfranken. Zählt man die nicht garantierten Überschüsse dazu, beträgt die Differenz aber nur noch 4 Prozent.

 

Laut Gerold Schlegel aus Muri bei Bern sollte man sich vor höheren garantierten Leistungen nicht blenden lassen: «Die höhere Rente in Euro kann durch Wechselkurseinbussen mehr als wettgemacht werden», warnt der Finanzplanungs-Experte. Die Rechnung ist schnell gemacht: Der Euro kostet derzeit 1,6625. Sinkt der Kurs bei der Rentenzahlung auf 1,54 Euro, so ist der Zinsvorteil auf dem garantierten Teil dahin. Geht man davon aus, dass die Überschüsse vollumfänglich ausbezahlt werden, so genügt ein Absacken der Währung auf nur 1,63 Franken, um den Zinsvorteil wettzumachen. Nicht zu vergessen sind nämlich die Kosten für den Umtausch der Währung.

 

Die Nachfrage ist gering


«Es werden wenige Verträge in Fremdwährungen abgeschlossen», gesteht Axa Winterthur. Bei der Konkurrenz dürfte es nicht anders sein. Denn die Euro-Rentenversicherungen von Zürich, Pax und Helvetia sind noch weniger attraktiv. Sie basieren auf einem technischen Zins von 2 Prozent, also gleich wie bei der Rente in Franken. Die Differenz zum höheren Zinsniveau wird über die nicht garantierten Überschüsse ausgeglichen.

 

Mehr und mehr Schweizer sind offensichtlich gewillt, den Lebensabend im Euro-Raum zu verbringen. Und dank der Personenfreizügigkeit haben sich zahlreiche Europäer in der Schweiz niedergelassen, die später wieder in die Heimat zurückkehren wollen. Für diese Leute macht es durchaus Sinn, eine Rentenversicherung in Euro abzuschliessen. Schliesslich besteht laut Yvonne Hafner von Helvetia aus dem Euro-Raum die Nachfrage, eine Altersrentenversicherung in der Schweiz abzuschliessen. «Das sind Kundinnen und Kunden, die auf uns zukommen und explizit eine Altersrente in Euro verlangen.»

 

INFOTHEK

Leibrentenversicherungen gibt es in den vielfältigsten Formen. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Währung:

  • Es gibt Leibrenten mit oder ohne Rückgewähr: Mit Rückgewähr heisst, dass beim Tod das noch nicht verbrauchte Kapital den Erben ausbezahlt wird. Wer auf die Rückgewähr verzichtet, erhält eine höhere Rente.
  • Man kann Leibrenten aufschieben oder sofort beziehen. Beim Aufschub zahlt man heute die Prämie und bezieht die Rente in ferner Zukunft. Die aufgeschobene Leibrente kann mit wiederkehrenden Prämien oder mit einer Einmalprämie bezahlt werden.
  • Schliesslich kann die Versicherung auf ein oder auf zwei Leben lauten: Bei der Leibrente auf zwei Leben endet die Zahlungspflicht des Versicherers erst, wenn beide Versicherte verstorben sind. Die Rente fällt bei diesem Vertrag geringer aus.
  • Einheitlich ist allen Typen, dass die Rente bloss zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern ist - und dies erst noch in der ganzen Schweiz.

Erschienen im Tages-Anzeiger am 26. November 2007


Claude Chatelain