Chatelain rät: Soll ich jetzt UBS kaufen?

Nachdem der Aktienkurs der UBS derart in den Keller gefallen ist, sollte man doch erst recht einsteigen. Was ist Ihre Meinung? Sollte man jetzt UBS-Aktien kaufen? B. H., Oberglatt ZH

Die UBS-Aktie ist derzeit ein Spekulationspapier. Es gibt tatsächlich Gründe, die für einen Kauf sprechen. Es gibt aber ebenso triftige Gründe, die für einen Verkauf sprechen.

 

Was spricht für die UBS-Aktie? Als UBS den milliardenschweren Abschreiber auf verbrieften Hypothekarforderungen bekannt gab, waren die Grossinvestoren überrascht und vor allem verunsichert. Sie warfen ihre Aktienbestände auf den Markt. Die Aktie verlor seither einen Viertel ihres Wertes. Nun gibt es bei Hiobsbotschaften meistens eine Überreaktion. Daraus ergeben sich günstige Kaufgelegenheiten. Doch eine Investition in UBS ist nach wie vor mit grossen Unsicherheiten behaftet. Auch das spricht für einen Kauf. Denn Investoren hassen Unsicherheiten wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb sind Aktien bei Unsicherheiten häufig unterbewertet. Sobald Klarheit herrscht, steigt der Kurs wieder.

 

Was spricht gegen die UBS-Aktie? Noch haben wir keine Gewähr, dass UBS genügend hohe Rückstellungen vorgenommen hat. 4 Milliarden Franken ist zwar eine Menge Geld. In den Büchern der UBS ist die zweifelhafte Ware noch immer mit rund 39 Milliarden Dollar bewertet. Für einen Teil dieser hochkomplexen und hochspekulativen Papiere gibt es gar keinen Markt mehr. Wie UBS nun diese Papiere verscherbeln will, ist mir ein Rätsel.

 

Noch etwas anderes spricht gegen UBS: Man hat lesen können, die UBS werde aus diesem Debakel die Lehren ziehen, das Risikomanagement und die interne Aufsicht verbessern. Doch wie war das im Herbst 1998, als die UBS unter dem damaligen Konzernchef Marcel Ospel mit dem Hedge Fund LTCM eine Milliarde Franken in den Sand setzte? Auch damals hiess es, man werde daraus die Lehren ziehen, das Risikomanagement und die interne Aufsicht verbessern.

 

Jedem Kind wird schon in der Erziehung gelehrt: Man darf immer Fehler machen. Man sollte aber nicht zweimal den gleichen Fehler machen.

 

Erschienen im BLICK am 17. November 2007

Claude Chatelain