Chatelain rät: Wer die Krankenkasse nicht wechselt, ist selber schuld

Seit Jahren versuchen wir unsere Mutter davon zu überzeugen, zu einer günstigeren Krankenkasse zu wechseln. Sie weigert sich standhaft. Auch weil sie noch Zusatzversicherungen hat. Wie können wir sie überzeugen, dass ein Krankenkassenwechsel nur Vorteile bringt? Y. M., Payerne VD

Ich bin auch ratlos: Vielen Leuten scheint es egal zu sein, Hunderte wenn nicht Tausende von Franken höhere Prämien zu bezahlen als notwendig. Lieber machen sie mit dem Auto einen Umweg, um für ein paar Rappen billiger tanken zu können. Wenn Migros oder Coop die Ware mit «Aktion» beschildert, ist das Regal schnell geleert.

 

Ich bin erstaunt, dass keine 5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer von der Möglichkeit Gebrauch machen, zur günstigsten Kasse zu wechseln und Hunderte von Franken zu sparen. Ich habe gemeint, Geiz sei geil.

 

Der Vergleichsdienst Bonus hat ausgerechnet, dass man im Kanton Aargau 1728 Franken Prämien sparen kann, wenn man von der teuersten in die günstigste Kasse wechselt - dies bei einer Franchise von 300 Franken. Im Kanton Luzern beträgt das Sparpotenzial 2190 Franken und im Kanton Zürich gar 3122 Franken im Jahr. Bei einem Wechsel zu einem Sparmodell sind die Einsparungen noch grösser.

 

Unter Umständen braucht Ihre Mutter zum Prämiensparen die Kasse gar nicht zu wechseln. Die Billigkassen Aerosana, Avanex, Progrès und Sansan gehören Helsana; Sana24 und Vivacare sind unter dem Dach der Visana, und Arcosana sowie Auxilia sind die Discountkassen der CSS. Ein um seine Wiederwahl bangender Freiburger SP-Nationalrat forderte in einem Vorstoss, dass jene Krankenkassen, welche auch Billigkassen führten, ihre Versicherten darauf aufmerksam machen müssten. Ich meine, es wurde in den zurückliegenden Jahren häufig genug gesagt und geschrieben, mit einem Krankenkassenwechsel könnten Hunderte von Franken gespart werden - ohne eine Leistungseinbusse hinnehmen zu müssen. Wers nicht glaubt, ist selber schuld. Man kann die Leute nicht zu ihrem Glück zwingen.

 

Erschienen am 17. Oktober 2007

Claude Chatelain