Chatelain rät: Leibrenten im Duell mit Kassenoblis

Ein Versicherungsberater der Helvetia empfahl uns, 250000 Franken in eine Leibrente zu investieren. Sein Argument: gute Verzinsung, einfache Abwicklung, kein Anlagerisiko. Daraufhin meldete sich der Berater der Raiffeisenbank. Er hat uns davon abgeraten. Er rechnet uns vor, dass Kassenobligationen und Festgelder attraktiver seien. Welches Angebot würden Sie vorziehen? M. W., Kleinwangen LU.

Mit einer Leibrentenversicherung sind Sie schlecht beraten. Dies ist keine generelle Feststellung. Diese Einschätzung trifft nur für Sie zu. In einem anderen Fall würde ich womöglich die Leibrente vorziehen. Man kann nämlich eine Leibrente nur schlecht mit Kassenobligationen vergleichen.

 

Mit einer Leibrentenversicherung erhalten Sie lebenslänglich eine garantierte Rente. Darüber hinaus werden meistens noch Überschussgutschriften ausbezahlt. Sie brauchen sich um die Finanzanlagen nicht zu kümmern. Leibrenten sind zwar nicht rentabel, dafür komfortabel. Sie sind dort zu empfehlen, wo AHV- und Pensionskassenrenten zum Leben nicht ausreichen.

 

Sie befinden sich in einer anderen Situation. Sie sind um die 80 Jahre alt und können von der AHV und Mietzinseinnahmen gut leben. In Ihrem Fall macht eine Leibrentenversicherung nun wirklich keinen Sinn.

 

Legen Sie diese 250000 Franken konservativ an. Ihre fünf Kinder werden Ihnen dankbar sein. Wenn Sie nämlich eine Leibrentenversicherung abschliessen, wird Ihr Einkommen um die Rente erhöht, obschon Sie gar kein zusätzliches Einkommen brauchen. Dieses Zusatzeinkommen muss versteuert werden, wenn auch nur zu 40 Prozent.

 

Falls Sie eine Leibrente abschliessen, wird beim Tod das noch nicht verbrauchte Kapital Ihren fünf Kindern ausbezahlt. Dieses Rückgewährskapital unterliegt der Einkommenssteuer. Ihre Kinder müssten also das Erbe versteuern, wenn auch zu einem Vorzugstarif. Anders verhält es sich mit Kassenoblis oder anderen Vermögensteilen. Diese unterliegen der Erbschaftssteuer. Ihre Kinder fahren damit besser: Direkte Nachkommen sind im Kanton Luzern von der Erbschaftssteuer befreit.

 

Erschienen im BLICK am 10. Oktober 2007

Claude Chatelain