Chatelain rät: Beim Krankentaggeld ist die Versicherung eine Farce

Sie haben geschrieben, Krankenkassen seien verpflichtet, auf Wunsch ein Taggeld zu versichern. Doch meine Kasse weigert sich, mir eine Offerte zu unterbreiten. M. B., Thun BE

Es gibt zwei Arten von Taggeldversicherungen: solche laut Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und solche laut Krankenversicherungsgesetz (KVG). Bei VVG-Versicherungen sind die Kassen frei, Gesuche anzunehmen oder abzulehnen. Bei KVG-Versicherungen besteht hingegen eine Aufnahmepflicht. Der Versicherer hat zwar auch hier die Möglichkeit, gesundheitliche Vorbehalte anzubringen. Doch der Vorbehalt entfällt, wenn innert 5 Jahren das befürchtete gesundheitliche Leiden nicht eingetreten ist.

 

Typisch: Ihre Kasse lehnt Ihr Gesuch ab, ohne darauf hinzuweisen, dass Sie eine KVG-Versicherung abschliessen könnten. Die Versicherer sind an KVG-Versicherungen nicht interessiert. Sie wollen VVG-Versicherungen abschliessen, wo ihnen keine Zwänge auferlegt werden.

 

Nun das Fiese: Der Gesetzgeber hat zwar die Kassen dazu verpflichtet, Taggeldversicherungen laut KVG anzubieten. Er hat aber vergessen, ein minimales Taggeld zu bestimmen. Die Kassen nützen diesen Mangel schamlos aus und beschränken das maximal zu versichernde Taggeld auf ein paar wenige Franken. Besonders dreist treibt es die CSS: Sie versichert ein KVG-Taggeld von maximal 6 Franken - eine Farce. Bei vielen ist das Taggeld auf 30 Franken beschränkt, was das Problem auch nicht löst. Nur ein paar wenige Kassen versichern Taggelder laut KVG, die diesen Namen auch verdienen.

 

Eigentlich müssten die Politiker aktiv werden. Es gibt zwar einige Vorstösse zum Thema Krankentaggeld. Doch das hier zitierte Problem wird auch mit den hängigen parlamentarischen Vorstössen nicht gelöst.

 

 

Krankenkasse Taggeld in Fr.
Agrisano 500.--
Groupe Mutuel 350.--
Sumiswalder KK 350.--
Luzerner Hinterland 250.--
Swica 40.--
Helsana 30.--
Concordia 30.--
ÖKK Schweiz 30.--
Atupri 30.--
Visana 30.--
Intras 10.--
Sanitas 10.--
CSS 6.--

Taggeld, VVG, KVG - was bedeutet das?

Taggeldversicherung: Wer zahlt den Lohn bei einer längeren oder gar bleibenden Erwerbsunfähigkeit? Der Arbeitgeber zahlt noch für ein paar Wochen oder Monate, je nach Vertrag. Und die IV zahlt frühestens ein Jahr nach Ausbruch der Krankheit; manchmal erst nach zwei Jahren. Dazwischen ist eine Durststrecke zu überwinden. Wer nicht über seinen Arbeitgeber einer kollektiven Taggeldversicherung angeschlossen ist, muss sich selber um eine Taggeldversicherung bemühen.

 

VVG, KVG: Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) regelt die obligatorische Grundversicherung und eine Taggeldversicherung. Die Zusatzversicherungen wie beispielsweise die Spitalzusatz-, Zahnpflege- oder Reiseversicherungen sind dagegen im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geregelt. Wobei es anzumerken gilt, dass es den Versicherern freigestellt ist, zusätzlich auch Taggeldversicherungen anzubieten, die nicht dem KVG, sondern dem VVG gehorchen.

 

Erschienen im BLICK am 3. Oktober 2007


Claude Chatelain