Chatelain rät: Die Prämie für Alternativmedizin können Sie sich sparen

Die Bachblütentherapie wird nicht von jeder Zusatzversicherung bezahlt.
Die Bachblütentherapie wird nicht von jeder Zusatzversicherung bezahlt.

Ich bin kerngesund und gehe selten zum Arzt. Müsste ich eine Zusatzversicherung für Komplementärmedizin abschliessen oder werden diese Leistungen mal über die obligatorische Grundversicherung gedeckt? Was ist Ihre Einschätzung? M. G., via E-Mail

Ich gehe davon aus, dass dereinst einige der bekanntesten alternativen Heilmethoden obligatorisch versichert werden, allen voran die Homöopathie. Damit ist aber Ihr Problem nicht gelöst: Es gibt über 130 alternative Heilmethoden. Sie wissen aber nicht, welche Sie allenfalls in Anspruch nehmen. Keine Kasse versichert alle Therapien. Vielleicht wird Ihnen mal eine Bachblütentherapie verordnet. Bei Visana versichert? Ihr Pech. Just diese Therapie fehlt im Leistungskatalog. Oder bei Helsana versichert? Glück gehabt. Helsana anerkennt diese Therapie.

 

Zweites Problem: Sie möchten - zum Beispiel - für die Fussreflexzonen-Massage zu einem bestimmten, erprobten Therapeuten. Dieser weigert sich womöglich, die Kosten und all den administrativen Kram auf sich zu nehmen, um sich im «Erfahrungsmedizinischen Register» eintragen zu lassen. Mancher Versicherer versichert aber nur Leistungen von Therapeuten, die in eben diesem Register eingetragen sind. Also müssten Sie die Behandlung - trotz Zusatzversicherung - selber bezahlen. Ich kenne einen solchen Fall.

 

Drittes Problem: Bei Zusatzversicherungen für Komplementärmedizin sind hohe Kostenbeteiligungen und tiefe Leistungslimiten in Kauf zu nehmen. Die versicherte Summe pro Jahr ist auf einen Betrag von wenigen Tausend Franken beschränkt. Ausserdem zahlen Sie für jede Behandlung einen stolzen Selbstbehalt, häufig von 25 Prozent.

 

Da können Sie sich die Prämie sparen. Sollten Sie tatsächlich vielleicht irgendeinmal einen Alternativmediziner aufsuchen, bezahlen Sie die Behandlung aus dem eigenen Sack. Das kommt Ihnen vermutlich immer noch günstiger, als alle Jahre die Prämie zu zahlen und erst noch hohe Selbstbehalte beizusteuern.

 

Versicherungen sind nötig, wo das Risiko besteht, dass ein Ereignis zum finanziellen Ruin führt: Spitalaufenthalt, Feuersbrunst, Autounfall sind solche Beispiele. Alternativmedizinische Behandlungsmethoden gehören nicht dazu, zumal der Versicherungsschutz so oder so auf wenige Tausend Franken beschränkt ist.

 

Erschienen im BLICK am 26. September 2007

Claude Chatelain