Alternativmedizin: Abfuhr im Nationalrat

Zur Volksinitiative «Ja zur Komplementärmedizin» sagte der Nationalrat gestern Nein. BLICK erklärt, worum es geht.

Was heisst Komplementärmedizin?

Man versteht darunter die unterschiedlichsten Heilmethoden von der Akupunktur über Bachblüten- bis zur Puppenspiel-Therapie. Was nicht zur Schulmedizin gehört, wird als Komplementärmedizin umschrieben. Im «Erfahrungsmedizinischen Register» (EMR) sind über 130 Therapiemethoden aufgeführt.

 

All diese Methoden sollen in die Grundversicherung aufgenommen werden?

Nur fünf ärztliche Leistungen sollen nach Auffassung der Initianten obligatorisch versichert sein: Pflanzenheilkunde, Homöopathie, Chinesische Medizin, Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie.

 

Führt die Mengenausweitung nicht zu höheren Prämien?

Wenn man zum Alternativ- statt zum Schulmediziner geht, wird es eher billiger. Komplementärmedizinische Behandlungen sollen nur versichert werden, falls sie von schulmedizinischen Ärzten durchgeführt werden, welche eine anerkannte Zusatzausbildung abgeschlossen haben.

 

Wer sich mit alternativen Methoden heilen lässt, kann doch eine Zusatzversicherung abschliessen?

Das ginge höchstens für Leute, die sich noch nie behandeln liessen. Wer regelmässig zum Homöopathen geht, kann diese Leistungen nicht mehr versichern. Es ist wie mit dem abgebrannten Haus: Brennende Häuser kann man auch nicht versichern.

 

Was sagen die Parteien ?

Die Ratslinke stimmt der Initiative zu; die Rechte ist dagegen. Sie fürchtet höhere Kosten. Die CVP ist nicht gegen die Aufnahme gewisser alternativer Leistungen in die Grundversicherung. Sie findet aber, eine Verfassungsinitiative sei der falsche Weg.

 

Was hat die ablehnende Haltung des Nationalrates zu bedeuten?

Nicht viel. Mit 93 zu 78 Stimmen ist die Initiative knapp abgelehnt worden. Viele Bürgerliche stimmten dafür. Doch das Stimmvolk hat eh das letzte Wort. Eine aktuelle Demoscope-Umfrage des Initiativkomitees zeigt, dass 69 Prozent aller stimmberechtigten Personen den Verfassungsartikel annehmen würden.

 

Erschienen im BLICK am 20. September 2007

Claude Chatelain