Chatelain rät: 70 Prozent tiefere Gutschriften bei Allianz Suisse

Meine Eltern hatten vor zehn Jahren bei der Elvia - heute Allianz Suisse - eine Einmaleinlage abgeschlossen, die am 1. August ausbezahlt wurde. Die bezahlten Überschussgutschriften liegen 70 Prozent unter der damals gemachten Prognose, obschon die Anlagegewinne nicht so schlecht waren. Was können wir dagegen tun? J. K., Solothurn.

Sie können höchstens mit den Zähnen knirschen. Oder Sie können Allianz Suisse um eine Stellungnahme bitten, wie Sie das gemacht haben. Rechtlich haben Sie keine Chance, denn die prognostizierten Überschüsse sind nicht garantiert. Eigentlich muss man froh sein, wenn überhaupt Überschüsse ausbezahlt werden.

 

So funktionierts: Bei Kapitalversicherungen wird eine Todesfallsumme sowie ein Erlebensfallkapital garantiert. Stirbt der Versicherungsnehmer während der Vertragsdauer, erhalten die Begünstigten die Todesfallsumme. Stirbt er nicht, erhält er bei Vertragsablauf das zugesichterte Kapital. Zusätzlich zu diesem Erlebenfallkapital werden Überschüsse ausbezahlt. Bei guten Finanzerträgen gibts mehr, bei schlechten gibts weniger Über- schüsse.

 

Nun haben wir das Problem, dass die Versicherer beim Vertragsabschluss die nicht garantierten Überschüsse angeben. Sie wecken damit falsche Hoffnungen. Gutgläubige Kunden gehen davon aus, die Prognose werde in etwa aufgehen. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Überschüsse regelmässig zu optimistisch sind. Kein Wunder, je höher die Überschussversprechen, desto attraktiver die Offerte.

 

Ihren Eltern wurden eine Überschussbeteiligung von 2780 Franken in Aussicht gestellt. Bezahlt wurden schliesslich magere 844 Franken. In einem zweiseitigen Brief erklärte Ihnen Allianz Suisse, warum Überschüsse gekürzt werden. Kein Wort, weshalb Überschüsse chronisch zu hoch veranschlagt werden.

 

Ehrlicher wäre es, die Versicherer verzichteten darauf, in der Offerte die Überschüsse zu beziffern. Der Hinweis genügte, dass bei gutem Geschäftsgang Überschüsse ausbezahlt würden. Statt eine negative gäbe es für den Kunden eine positive Überraschung. Doch das ist häufig zweitrangig. Erstrangig ist, möglichst viele Versicherungen zu verkaufen.

 

Erschienen im BLICK am 8. September 2007

Claude Chatelain