Chatelain rät: Muss der König den Muni versteuern?

Schwingerkönig Jörg Abderhalden betreibt sein Hobby halb professionell. Er muss dafür Steuern zahlen.
Schwingerkönig Jörg Abderhalden betreibt sein Hobby halb professionell. Er muss dafür Steuern zahlen.

Schwingen ist ein Hobby - wenn auch ein zeitintensives. Manchmal wirft dieses Hobby einen schönen Preis ab: eine Truhe, ein Velo oder gar ein Muni. Was meint der Steuervogt dazu?

Ob es ein Muni, ein Kühlschrank, ein Hochdruckreiniger, eine Treichel oder ein Melchstuhl ist - Schwingerpreise sind eine Prämie für eine geleistete Tätigkeit und müssen als Einkommen versteuert werden. «Preise, die aus zufallsunabhängigen Leistungswettbewerben erzielt werden, sind als ordentliches Einkommen zu versteuern», heisst es etwa auf einem Merkblatt der Steuerverwaltung im Kanton Bern. Keine Frage: Schwingfeste sind Leistungswettbewerbe und die Preise werden nicht zufällig gewonnen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Geld- oder Naturalpreis handelt. Der Muni hat einen Wert - und dieser ist als Einkommen zu versteuern.

 

Wird nun der Steuervogt böse, wenn so ein «Böser» seine am «Eidgenössischen» erkämpfte Treichel nicht versteuert? Mancher Steuerkommissär wird ein Auge zudrücken. Beharrt er nämlich auf der ordentlichen Deklarierung, muss er den Schwinger darauf aufmerksam machen, dass er auch die entsprechenden Auslagen steuerlich absetzen kann.

 

Da sind all die gefahrenen Autokilometer ans Training und zurück. Da sind um die 15 Schwingfeste, die ebenfalls mit dem Auto aufgesucht werden. Am Schwingfest muss man etwas essen, was man unter «Verpflegung auswärts» geltend machen kann. Schwinger brauchen übers Jahr hindurch spezielle Nahrung, die auch nicht gerade billig ist. Auch Masseure arbeiten nicht gratis. Und wer an einem Fest einen Kranz gewinnt, muss eine «Runde» blechen. Dieses ungeschriebene Gesetz wird auch um die 100 Franken kosten. Kurz: Je nach Distanz zum Schwingkeller kommt ein Kranzschwinger locker auf jährliche Ausgaben von 10 000 Franken.

 

Beim Schwingerkönig Jörg Abderhalden, der sein Hobby halb professionell betreibt, werden die zahlreichen Preise seine Auslagen bei weitem übertreffen. Doch beim Gros der Schwinger dürften sich Ausgaben und Einnahmen die Waage halten. Die Versteuerung der Preise wird zu einem Nullsummenspiel.

 

Erschienen im BLICK am 1. September 2007

Claude Chatelain