Chatelain rät: Die Frauen müssen aufs Geld warten

Wegen des höheren Rentenalters für Frauen zahlt die Winterthur die Rente später.
Wegen des höheren Rentenalters für Frauen zahlt die Winterthur die Rente später.

Seit 1990 habe ich bei der Winterthur eine gebundene, prämienfreie Vorsorge-Police, welche laut Vertrag im November 2007 ausbezahlt werden müsste. Jetzt kommt plötzlich eine neue Police ins Haus geflattert, wonach ich das Geld erst 2009 ausbezahlt erhalte - angeblich wegen des höheren Frauenalters. Ich meine, ein Vertrag ist ein Vertrag. Kann man den einfach so abändern?
S. R., Emmenbrücke LU.

Einfach so kann man einen Vertrag nicht abändern. Da haben Sie recht. Doch Versicherungsverträge enthalten allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB). Diese sind auch verbindlich. Darin steht etwa, gesetzliche Änderungen blieben vorbehalten.

 

Sie hatten eine steuerbegünstigte, gebundene Vorsorgepolice des Typs 3a abgeschlossen. In der entsprechenden Gesetzesverordnung steht: «Altersleistungen dürfen frühestens fünf Jahre vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters der AHV ausgerichtet werden.» Nun wurde das Gesetz dahingehend geändert, als für Frauen das Rentenalter von 62 auf 64 Jahre erhöht wurde. Somit werden Sie das angesparte Kapital zwei Jahre später erhalten als ursprünglich vorgesehen. Das ist nicht der freie Entscheid der Winterthur, die sich inzwischen Axa Winterthur nennt. Sie befolgt lediglich das Gesetz.

 

Noch etwas: Sie schreiben, Sie hätten eine «prämienfreie Vorsorge-Police». Prämienfrei wird etwa mit prämienbefreit verwechselt, weshalb ich hier diesen nicht ganz unbedeutenden Unterschied erläutern will.


Prämienfreistellung: Wer die Prämie nicht mehr bezahlen möchte, kann die Prämienzahlung einstellen. Da aber das Kapital erst fünf Jahre vor der Pensionierung ausbezahlt werden kann, bleibt das Geld bei der Versicherung und wird dort weiter verzinst - steuerfrei.

 

Prämienbefreiung: Wer erwerbsunfähig wird, also eine IV-Rente bezieht, braucht die Prämie nicht mehr zu bezahlen, bleibt aber versichert und wird im Alter das Sparkapital erhalten. Das heisst, die Versicherungsgesellschaft wird anstelle des Versicherungsnehmers die Prämienzahlung übernehmen. Es handelt sich also um einen zusätzlichen Versicherungsschutz, der in 3a-Policen häufig integriert ist.

 

Erschienen im BLICK am 29. August 2007

Claude Chatelain