Chatelain rät: Ist betrügen schlimmer als hinterziehen?

«Warum sich schummeln nicht lohnt» lautete der Titel meiner Kolumne vom 14. Juli. Das empörte einen Steuerjuristen. Erzürnt schrieb er mir, Steuerhinterziehung könne man nicht mit «schummeln» umschreiben. Denn das sei kein Kavaliersdelikt. Für mich also eine hervorragende Gelegenheit, an dieser Stelle den Unterschied zwischen Steuerhinterziehung, Steuerbetrug und Steuerumgehung zu erläutern.

Seien wir ehrlich: Wer hat nicht schon daran gedacht, bei den Berufskosten etwas mehr Kilometer anzugeben, als in Wirklichkeit für den Arbeitsweg zurückgelegt werden. Wer erlag noch nie dem Hang, die Kosten für Vergabungen nach oben zu schrauben oder gar ein kleines Nebeneinkommen zu verheimlichen.

 

Das sind klassische Beispiele von Steuerhinterziehung. Das ist illegal und nicht etwa ein Kavaliersdelikt, obschon man das aufgrund der laschen Strafbestimmungen meinen könnte. Steuerhinterziehung bedeutet, dass jemand falsche, unvollständige oder gar keine Angaben über Einkommen und Vermögen macht.

 

Der Steuerbetrug geht weiter. Steuerbetrug begeht, wer für die Steuerhinterziehung falsche oder gefälschte Urkunden oder Belege einreicht. Der Steuerbetrug ist - im Unterschied zur Steuerhinterziehung - ein strafrechtlicher Tatbestand. Er wird von der Justiz geahndet, derweil die Steuerhinterziehung von der Steuerbehörde verfolgt wird.

 

Unterschiedlich ist auch die Strafe: Die Busse für Steuerhinterziehung ist häufig so hoch wie die hinterzogene Steuer, im Maximum beträgt sie das Dreifache davon. Beim Steuerbetrug ist die Höchststrafe eine Busse von 30000 Franken oder gar Gefängnis.

 

Ganz anders die Steuerumgehung: Gemeint ist hier das Ausnützen gesetzlicher Möglichkeiten, die grundsätzlich nicht für diese Situation geschaffen worden sind. Steuerumgehung ist nicht strafbar. Doch die Behörde kann die Steuererklärung korrigieren und den Betrag einfordern, den sie für angemessen erachtet.

 

Der Steuerjurist meinte übrigens, man merke aufgrund meiner Wortwahl, dass ich kein Jurist sei. Stimmt: Ich bin Ökonom. Ich versuche, mich verständlich auszudrücken.

 

Erschienen im BLICK am 11. August 2007

Claude Chatelain