Chatelain rät: Obligationenzinsen steigen; Kurse fallen

ZKB-Chef Hans Vögeli
ZKB-Chef Hans Vögeli

Im November liess ich mich von der ZKB überreden, den neu lancierten «ZKB Bond Vision Fonds» zu kaufen. Leider muss ich zusehen, wie der Kurs nur hinuntergeht. Was halten Sie von diesem Fonds? Lohnt es sich, die Baisse auszusitzen? Obwohl ich nicht gerne Verluste realisiere, bin ich versucht, die Hälfte des Einsatzes aufzulösen. B. K., via E-Mail

«Schon wieder ein unzufriedener ZKB-Kunde», habe ich mir nach Erhalt Ihrer Mailanfrage gesagt. Und erneut ist es der «ZKB Bond Vision Fonds», der zur Beanstandung Anlass gibt. Die Zürcher Kantonalbank ist vor allem dank des inzwischen abgetretenen Chefs Hans Vögeli ins Zwielicht geraten. Dass sich auch bei mir die Beschwerden häufen, wird wohl kein Zufall sein. Es erinnert mich an den Spruch, wonach der Fisch beim Kopf zu stinken beginnt.

 

Sie sind erstaunt, dass der «ZKB Bond Vision Fonds» trotz Börsenboom an Wert verliert? Erstaunt dürften Sie bei Aktienfonds sein. Doch der «ZKB Bond Vision» ist ein Obligationenfonds. Die Kurse solcher Fonds sind durchs Band gefallen. Denn der Kurs einer Obligation hängt in erster Linie von der Zinsentwicklung ab. Steigen die Zinsen, sinken die Obligationen - und umgekehrt. Eine Kennziffer fürs Zinsniveau ist etwa die Rendite für zehnjährige Bundesobligationen: Ende 2006 lag sie bei 2,52 Prozent, heute bei 3,2 Prozent.

Nach Ansicht der Bank Sarasin werden die Oblikurse weiter sinken, «da die Märkte aufgrund der starken Marktdaten der USA nicht mehr an Zinssenkungen glauben».

 

Wann immer ein neuer Fonds lanciert wird, sind die Bankangestellten gehalten, das Produkt unters Publikum zu bringen. Nur so ist zu erklären, dass Ihnen der «ZKB Bond Vision Fonds» empfohlen wurde. Denn im November deutete alles darauf hin, dass die Zinsen steigen und die Obligationenkurse fallen werden.

 

Über den Fonds selber will ich nichts sagen. Er ist eben erst lanciert worden und verfügt somit über keinen Leistungsausweis. Von neu lancierten Fonds sollte man die Finger lassen.

Nun haben Sie den Fonds erst vor einem halben Jahr gekauft. Grundsätzlich sollte man auch bei Obligationenfonds eine längere Anlagedauer in Kauf nehmen. Freilich nur unter der Voraussetzung, dass man vom Produkt überzeugt ist. Diese Überzeugung fehlt Ihnen. Daher ist es meines Erachtens richtig, zumindest die Hälfte der Fondsanteile zu verkaufen - wenn auch mit Verlust.

 

Erschienen im BLICK am 4. Juli 2007

Claude Chatelain