Help Point: "Kann man mich zur Pension zwingen?"

Wegen der Schliessung einer ganzen Abteilung bin ich von einer Massenentlassung betroffen. Nun heisst es, als 61-Jähriger würde ich «zwangspensioniert». Alle Arbeitnehmer, die älter als 58 Jahre alt sind, würden automatisch pensioniert. Müssen wir das akzeptieren? Können wir die Zwangspensionierung nicht einfach ablehnen? B. E. in R.

Nein, die Zwangspensionierung können Sie nur dann ablehnen, wenn diese Möglichkeit im Pensionskassenreglement ausdrücklich erwähnt ist. Bei der Pensionskasse Ihres Arbeitgebers scheint dies nicht der Fall zu sein.

 

Man muss unterscheiden zwischen Vorsorge- und Freizügigkeitsfall. Ein Vorsorgefall ist man, wenn man laut Pensionskassenreglement Anspruch auf Vorsorgeleistungen hat. Das kann eine Alters- oder eine IV-Rente sein. Vorsorgestiftungen der beruflichen Vorsorge dürfen laut Gesetz frühestens ab dem 58. Altersjahr Altersleistungen ausrichten. Bei der Pensionskasse Ihres Arbeitgebers ist dies der Fall. Wären Sie ein Freizügigkeitsfall, würde Ihr Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen. Mit Alter 61 sind Sie aber kein Freizügigkeitsfall, sondern ein Vorsorgefall. Sie werden also Altersleistungen erhalten - entweder die Rente oder das Kapital.

 

Lässt das Pensionskassenreglement eine Ausschlagung der Frühpensionierung zu, würde Ihr Guthaben auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen, sofern Sie dies ausdrücklich wünschen. Damit würden Sie zwar den Anspruch auf eine Rente verlieren, aber Sie kämen beim Stempeln besser weg.

 

Bei der Arbeitslosenversicherung haben Sie Anspruch auf ein Taggeld von 70 oder 80 Prozent des letzten Lohnes, je nachdem, ob Sie unterstützungspflichtige Kinder haben. Bei einer Frühpensionierung gäbe es jedoch weniger. Denn die Altersleistung - die Rente oder das Kapital - wird beim Taggeld angerechnet. Deshalb ist die Entlassung unter Umständen interessanter als die Frühpensionierung. Es ist unsinnig, eine Person vor dem ordentlichen AHV-Alter zu einer Frühpensionierung zu zwingen. Dies nicht nur wegen des tieferen Anspruchs bei der Arbeitslosenversicherung. Es kommt ja nicht selten vor, dass auch ältere Arbeitnehmer wieder eine Stelle finden. Diese möchten dann natürlich das PK-Guthaben in die neue Pensionskasse überführen. Wird man jedoch zum Rentenbezug gezwungen, geht diese Möglichkeit verloren. Das hat auch der Bundesrat gemerkt. Womöglich wird diese Fehlentwicklung in der 11. AHV-Revision korrigiert. Denn der Zwang zur Frühpensionierung passt nicht zum Trend der Flexibilisierung.

 

Erschienen im CASH am 28. Juni 2007

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Claude Chatelain