Chatelain rät: Bloss eine Wasserversicherung genügt nicht

Ich bin ein Opfer des Unwetters der vergangenen Woche. Durch einen Rückstau war das gesamte Untergeschoss unter Wasser. Teppiche und Täfer müssen ersetzt werden. Nun hiess es, die Gebäudeversicherung zahle diesen Schaden nicht. Kann das stimmen? W. K., via E-Mail.

Es kommt darauf an, wie der Schaden entstanden, woher das Wasser gekommen ist. Was landläufig als Gebäudeversicherung bezeichnet wird, heisst richtig Feuer- und Elementarschadenversicherung. Und wie ein Elementarschaden entsteht, steht in Artikel 173 der «Verordnung über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen». Er entsteht durch Hochwasser, Überschwemmung, Sturm, Hagel, Lawinen, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch. Die Aufzählung ist abschliessend.

 

Dringt das Wasser durch das Fenster ins Untergeschoss, so ist der Schaden durch eine Überschwemmung entstanden. Also haben wir einen Elementarschaden. Bei Ihnen ist jedoch das Wasser wegen eines Rückstaus in der Kanalisation ins Untergeschoss gelangt. Hier handelt es sich also nicht um einen Elementarschaden. Die Gebäudeversicherung wird den Schaden nicht übernehmen.

 

Auch Wasserschäden, welche von einem Leitungsbruch oder einem Leck im Dach herrühren, sind durch die Gebäudeversicherung nicht gedeckt. Für solche Schäden braucht man eine Gebäudewasserversicherung.

 

Bei Wasserschäden infolge Unwetter können also drei Versicherungen zahlungspflichtig werden:

  • 1. Die Gebäudeversicherung für Schäden am Gebäude, die durch ein Elementarereignis entstanden sind. Diese Versicherung ist in den meisten Kantonen obligatorisch.
  • 2. Die Gebäudewasserversicherung für Schäden am Gebäude, die nicht auf ein Elementarereignis zurückzuführen sind. Diese Versicherung ist freiwillig.
  • 3. Die Hausratversicherung für Schäden am Mobiliar. Sie zahlt alle Wasserschäden. Unterschiedlich ist höchstens der Selbstbehalt: Bei Elementarschäden beträgt er einheitlich 500 Franken, bei anderen Wasserschäden je nach Vertrag.

 

Erschienen im Blick am 27. Juni 2007

Claude Chatelain