Risiken beim Bauen inklusive

Bauen ist gefährlich. Zwar nicht lebensgefährlich, doch so risikoreich, dass der finanzielle Ruin drohen kann. Spezielle Versicherungen schützen vor dem Fiasko. CASH sagt, worauf zu achten ist.

Die Wahrscheinlichkeit, dass beim Bau eines Familien- oder Ferienhäuschens ein Schaden eintritt, ist nicht sehr gross. Doch wenn ein solcher eintritt, kann es sehr teuer werden. Deshalb steht ausser Frage, dass bei Neubauten eine Bauherrenhaftpflicht- und eine Bauwesenversicherung abzuschliessen sind.

 

Wird wegen eines rutschenden Hangs die Nachbarsvilla in Mitleidenschaft gezogen, so kommt die Bauherrenhaftpflicht-Versicherung für den Schaden auf. Der Schaden am eigenen Objekt während der Bauphase wird dagegen von der Bauwesenversicherung gedeckt. Es ist wie bei der Autoversicherung: Die Schäden an anderen Autos deckt die Autohaftpflicht, die Schäden am eigenen Auto die Vollkasko. Die Bauwesenversicherung ist also im Grunde genommen vergleichbar mit der Vollkaskodeckung einer Autoversicherung.

 

Je näher der Nachbar, desto höher das Risiko


«Bei einfachen Bauvorhaben beläuft sich die Prämie für Bauversicherungen auf 1,5 bis 2 Promille der Bausumme», erklärt Daniel Götschi von Allianz Suisse. Bei Vorhaben mit höheren Risiken kann es allerdings gut das Doppelte sein. Muss man wegen eines schlechten Baugrunds Pfähle in den Boden rammen oder das Grundwasser absenken, wird das einfache Bauvorhaben sehr rasch komplex: Das Rammen führt zu Erschütterungen, was die Nachbarliegenschaften in Mitleidenschaft ziehen kann. Je näher das Nachbarshaus am zu bebauenden Grundstück, desto höher das Risiko eines Haftpflichtfalls. So orientieren sich die Versicherungsgesellschaften in der Bauherrenhaftpflicht an mehreren Risikomerkmalen (siehe Kasten). Die Merkmale unterscheiden sich nicht gross.

 

Die Einheitlichkeit stammt noch aus der Zeit, als der Versicherungsmarkt reguliert war. Nach der Liberalisierung des Marktes sahen die Versicherer zwar keinen Grund, die Risikomerkmale neu zu definieren. Dafür werden die Risiken unterschiedlich eingeschätzt, was logischerweise zu hohen Prämienunterschieden führen kann. Laut Götschi können die Prämien gut und gerne 30 Prozent auseinanderliegen. Gerade bei komplexen Bauvorhaben lohnt es sich daher, verschiedene Offerten bei mehreren Versicherern einzuholen.

 

Die Deckung richtet sich nach dem Haftpflichtrecht


Die Prämienunterschiede einer Bauherrenversicherung sind also gross, dafür ist die Deckung mehr oder weniger identisch. Die Versicherungsdeckung richtet sich nämlich nach dem Haftpflichtrecht. Abweichungen sind etwa beim Selbstbehalt zu beobachten. Gilt der Selbstbehalt pro Schadenereignis oder per Grundstücksparzelle? Wenn beispielsweise durch das Rammen Risse in gleich mehreren Häusern entstehen, sollte der Selbsthalt nur einmal bezahlt werden müssen. Und doch gibt es Versicherungsverträge, bei welchen für jedes beschädigte Haus ein Selbstbehalt zu bezahlen ist.

 

Grössere Deckungsunterschiede gibt es dagegen in der Bauwesenversicherung, welche nicht die Schäden an Dritten, sondern am eigenen Objekt versichert. In der Grunddeckung sind Baustoffe, Bauteile und Bauleistungen versichert. Baustoffe sind zum Beispiel kaputte Ziegel, Bauteile sind etwa Fensterscheiben, und wenn die Decke einstürzt, so fällt das unter Bauleistungen. Wird jedoch am Hang gebaut, braucht es dazu eine Zusatzdeckung, sofern man die finanziellen Folgen eines Hangrutsches versichert haben möchte. Gerüste und Schalungsmaterial gehören weder zu den Baustoffen noch zu den Bauteilen noch zu den Bauleistungen, sodass auch potenzielle Schäden am Hilfsmaterial zusätzlich versichert werden müssten, falls das erwünscht wird. Das Gleiche gilt für Baugeräte. Gibt die Baumaschine aus Altersgründen den Geist auf, ist das Sache des mit dem Auftrag involvierten Bauunternehmens. Wird aber die Baumaschine durch eine herunterstürzende Decke demoliert, so bezahlt die Bauwesenversicherung, sofern die entsprechende Zusatzdeckung gegeben ist.

 

Wie in der Kaskoversicherung kann man die einzelnen Risiken separat versichern oder im Paket alle Risiken zusammenschnüren. «Die Paketlösung ist häufig günstiger», sagt Martin Renk, Produktmanager Technische Versicherungen bei der Zürich-Versicherung. Ist dann aber bei der Paketlösung auch wirklich alles versichert? «Nicht alles, aber jene Schäden, die wirklich teuer werden könnten.» Nicht versichert sind beispielsweise Kratzer an Fensterscheiben. Das müsste zusätzlich versichert werden. Wobei solche Schäden den Bauherrn kaum ruinieren würden.

 

Schutz vor Bauverzögerungen ist teilweise eingeschlossen


Ein wichtiger Bestandteil einer Bauwesenversicherung ist die Bevorschussung. Stürzt die Baugrube ein, will der Baumeister für die Behebung des Schadens Geld sehen. Doch wer bezahlt den Schaden? Bis die in der Regel langwierigen Abklärungen getroffen sind, verstreichen Monate. Damit aber die Baustelle nicht vorübergehend stillgelegt werden muss, schiesst die Bauwesenversicherung das Geld vor. Diese Bevorschussung ist bei Zürich und Allianz Suisse in der Grunddeckung versichert, bei anderen Anbietern muss dieser Schutz zusätzlich versichert werden.

 

 

Was gilt beim Umbau?

Risikomerkmale


Nicht nur bei Neubauten, auch bei Umbauten oder Renovationen ist der Abschluss einer Bauversicherung unter Umständen zu empfehlen. Hier bestehen zum Teil andere Risiken:

Wird in einem frei stehenden Einfamilienhaus das Badezimmer renoviert, braucht es dazu keine Bauherrenhaftpflicht. Bei selbst bewohnten Einfamilienhäusern ist die Bauherrenhaftpflicht-deckung in der Regel in der Privathaftpflicht-police integriert. Bei umfangreichen Renovationen ist allenfalls eine Bauwesenver-sicherung zu empfehlen: Werden Hausrat oder Gebäudeteile beschädigt, wird die Bauwesenversicherung den Schaden bezahlen.

Die Prämienhöhe einer Bauherrenhaftpflichtversicherung ist von diversen Risikomerkmalen abhängig wie

· der Höhe der Bausumme,

· der Distanz zum nächsten Gebäude,

· den topografischen Verhältnissen,

· der Beschaffenheit des entsprechenden Baugrundes,

· der Anzahl der zu bauenden Unter- und Obergeschosse und

· dem Grundwasserspiegel.

 

Erschienen im CASH am 21. Juni 2007


Claude Chatelain