Chatelain rät: Den Banken fliegt das Geld entgegen

Frage: Sie hatten kürzlich vorgerechnet, wie es sich lohne, mit dem Guthaben 3a die Hypothek abzuzahlen. Könnten Sie uns mal erklären, weshalb die Hypothekarzinsen auf breiter Front steigen, die Zinsen auf dem Konto 3a trotzdem unverändert tief bleiben? V. D., E-Mail

Antwort: Tatsache ist, dass das Zinsniveau im Steigen begriffen ist. Wenn Banken auf dem Kapitalmarkt Geld aufnehmen, müssen sie höhere Zinsen zahlen. Das erklärt, weshalb auch die Hypothekarzinsen steigen. Die Banken wollen möglichst viel Geld verdienen. Sie haben alles Interesse, höhere Hypozinsen zu kassieren.

 

Richtigerweise müssten auch die Zinssätze auf dem Konto 3a steigen. Das passiert leider nicht. Weil eben die Banken möglichst viel Geld verdienen wollen, haben sie keinerlei Interesse, höhere Sparzinsen zu zahlen.

 

Vertreter einer liberalen Marktordnung würden mir entgegnen, der Markt werde es schon richten. Doch der Markt richtet es nur dort, wo der Wettbewerb spielt. Im Vorsorgesparen 3a spielt der Wettbewerb nicht.

 

Den Banken fliegen die Spargelder nur so entgegen, ohne dass sie sich dafür anstrengen müssen. Denn nicht wegen der tollen Leistungen der Banken boomt das Sparen 3a. Es boomt allein wegen der steuerlichen Vorteile. Was man aufs Konto 3a einzahlt, kann man eins zu eins vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Für Angestellte sind das bis 6365 Franken pro Jahr. Das ergibt eine Steuerersparnis von rund 2000 Franken. Dieses Geld geht dem Fiskus verloren, dafür verdienen sich die Banken mit den Konti 3a dumm und dämlich, ohne dafür nur einen Finger zu krümmen.

 

Zum Vergleich: Die zehnjährige Bundesanleihe hat derzeit eine Rendite von 3,2 Prozent. Auf dem Konto 3a bleibt das Geld im Schnitt sogar noch länger liegen. Demnach müsste der 3a-Zins sogar darüber liegen, wenn der Markt spielen würde. Er liegt aber deutlich darunter.

Also nochmals: Die Banken profitieren davon, dass der Staat auf Steuergelder verzichtet. Eine staatliche Subventionierung der Banken war zwar nicht die Absicht des Gesetzgebers, als er die Steuerbefreiung des Sparens 3a einführte - es ist aber das Resultat.

 

Erschienen im CASH am 20. Juni 2007

Claude Chatelain