Bundesangestellte in Pension - weil sich arbeiten nicht lohnt!

Dem Bund laufen die Leute davon. Wer mit 60 geht, erhält mehr, als wenn er bleibt

500 bis 550 Bundesangestellte lassen sich in normalen Jahren pensionieren. Nächstes Jahr dürften es laut Schätzung des Personalamts 2300 sein, mehr als viermal mehr. Das sind über 90 Prozent aller Bundesangstellten zwischen dem 60. und 65. Altersjahr.

 

Die älteren Angestellten sind naturgemäss auch die Erfahrensten. «Man muss damit rechnen, dass ein Drittel des obersten Kaders den Bund vorzeitig verlässt», erklärt Hans Müller, Präsident der Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal. Ein enormer Knowhow-Verlust steht also bevor.

 

Ursache dieser panikartigen Flucht in die Pension ist die Pensionskasse Publica. Sie wechselt auf Mitte 2008 vom Leistungs- zum Beitragsprimat. Der Wechsel führt zu derart krassen Einbussen, dass sich einer dumm vorkommen muss, über das 60. Altersjahr hinaus für die Eidgenossenschaft tätig zu sein. Wer im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird und noch ein Jahr anhängen möchte, wird frankenmässig eine tiefere Rente erhalten - und zwar lebenslänglich.

 

Die Personalverbände sind sauer. Sie haben vergebens gehofft, dass mit einer höheren Überbrückungsrente die Frühpensionierung etwas weniger schmackhaft gemacht würde. Sie rufen für Donnerstag zu einer Protest-Demonstration auf.

 

Erschienen im BLICK am 16. Juni 2007

Claude Chatelain