So werden die Medikamente endlich billiger

BERN – Der Ständerat gab sich gestern konsumentenfreundlich. Folgt der Nationalrat diesem Vorbild, werden die Medikamente doch noch billiger.

 

Dass die Medikamentenpreise in der Schweiz zu hoch sind, ist eine Binsenwahrheit. Und dass sich die Pharmalobby jedem Preisdruck mit Erfolg widersetzt, ebenfalls. Umso erfreulicher das gestrige Resultat im Ständerät: Er hat im Interesse des Konsumenten entschieden – wohl wegen der anstehenden Wahlen. Finden die Gesetzesänderungen auch im Nationalrat eine Mehrheit, geraten die Medipreise endlich unter Druck. BLICK zeigt, wie es geht:


1. Die Spezialitätenliste

Alt: Es liegt im Ermessen des Bundesrates, ein Medikament für kassenpflichtig zu erklären. Die 2500 Medis der sogenannten Spezialitätenliste müssen von der obligatorischen Grundversicherung vergütet werden. Sie haben faktisch eine Preis- und Abnahmegarantie.

Neu: Nur noch die preisgünstigen Medis werden aufgenommen. Die Anzahl von kassenpflichtigen, identischen Arzneimitteln nimmt ab.

 

2. Alle drei Jahre überprüft

Alt: Der Preis der kassenpflichtigen Medis wird nach zwei und dann frühestens nach sieben Jahren überprüft – wenn überhaupt.

Neu: Der Preis eines Arzneimittels muss alle drei Jahre überprüft werden.

3. Preisgünstig

Alt: Der Preis wird anhand eines Vergleichs mit ähnlichen Medis festgelegt.

Neu: Neu zugelassene Medikamente müssen für die Preisfestsetzung mit den «bisher zugelassenen preisgünstigsten Arzneimitteln verglichen werden».

4. Das Monopol fällt

Alt: Die Produzenten haben ein Informationsmonopol. Nur sie liefern die Daten, die für die Preissetzung massgebend sind.

Neu: Der Bundesrat muss nicht nur vom Hersteller, sondern auch vom Benutzer Daten verlangen. Er wird die Spitäler auffordern, über die Wirksamkeit von Arzneimitteln zu befinden. Medis mit ungenügender Akzeptanz werden von der Liste gestrichen.

5. wächst der Markt, sinkt der Preis

Alt: Bei einer Ausweitung des Anwendungsbereichs eines Arzneimittels steigt automatisch die Zahl der Patienten. Dennoch bleibt der Preis noch jahrelang unverändert.

Neu: Wird die Anwendung eines Medikamentes ausgeweitet, muss der Preis gesenkt werden.

6. Besitzstandsgarantie

Alt: Kassenpflichtige Medikamente werden kaum je von der Liste gestrichen.

Neu: Bundesrat muss Medikamente, die die Bedingungen nicht mehr erfüllen, von der Liste nehmen.

 

Erschienen im BLICK am 14. Juni 2007

Claude Chatelain