Chatelain rät: Wer rechnet, zahlt sie ab

Frage: Demnächst läuft meine Festhypothek von 250000 Franken ab. Eine andere Hypothek läuft weitere zwei Jahre. Daneben verfüge ich in der Säule 3a über gut 60000 Franken, welche ich in Fonds angelegt habe. Soll ich mit diesem Geld die Hypothek amortisieren? Ich bin 55 Jahre alt. A. M., Zollikofen BE

Die Zinsen für variable Hypotheken sind gestiegen. Sie liegen deutlich über 3 Prozent. Doch in Wirklichkeit kommt Ihnen die Zinsbelastung tiefer zu stehen, weil Sie den Hypozins vom steuerbaren Einkommen abziehen können. Die effektive Hypothekarbelastung nach Steuern dürfte also um die 2,5 Prozent betragen.

 

Demgegenüber beträgt der Zins auf dem Konto 3a bei UBS, CS und PostFinance lächerliche 1,5 Prozent. Selbst bei der Migrosbank, welche den 3a-Satz auf den 1. Juli auf 1,875 Prozent erhöht, zahlen Sie für den Hypozins nach Steuern immer noch mehr, als Ihnen auf dem 3a-Konto vergütet wird. Die Rechnung ist also schnell gemacht: Die Amortisation lohnt sich.

 

Nun haben Sie das Vorsorgegeld 3a in Wertschriftenfonds investiert. Ich weiss nicht, um welche Fonds es sich handelt. Dafür weiss ich, dass sowohl Aktien- wie auch Oblikurse derzeit recht hoch sind. Mindestens 2,5 Prozent müssten diese Fonds jährlich vorwärtsmachen, damit es sich lohnt, die Fonds zu behalten, statt die Hypothek abzuzahlen. Ich glaube nicht an eine solche Performance. Vorübergehende Kursverluste erachte ich als wahrscheinlicher. Auch bei dieser Rechnung spricht alles für eine Abzahlung.

Kommt noch ein steuerlicher Aspekt hinzu: Beim Bezug des 3a-Guthabens zahlen Sie eine Kapitalauszahlungssteuer. Der Satz dieser Steuer ist progressiv. Je höher das Kapital, desto höher der Steuersatz. Es lohnt sich daher, das Kapital zeitlich gestaffelt auszahlen zu lassen.

 

Erschienen im BLICK am 13. Juni 2013

Claude Chatelain