Chatelain rät: Ein Haufen Geld ist verdächtig

Frage: Ich bin Auslandschweizer und wohne seit zwölf Jahren in Mittelamerika. In den kommenden Wochen werde ich mein Grundstück verkaufen, was mir rund 320000 Dollar einbringen wird. Ich möchte die Dollars in der Schweiz platzieren - ohne jegliches Risiko. Einen Zins brauche ich nicht. Ich will aber darauf auch keine Steuern bezahlen. Gibt es da eine Möglichkeit? R. J., via E-Mail

Steuerhinterziehung ist nicht mein Spezialgebiet. Dafür kann ich Ihnen mitteilen, dass Sie bei irgendeiner Schweizer Bank ein Dollar-Konto eröffnen können. Die Verzinsung ist unterschiedlich: Bei der UBS wird das Dollar-Konto ohne Zins geführt. Bei PostFinance hingegen erhalten Sie auf dem Dollar-Konto einen Zins von 1,75 Prozent.

 

Allerdings haben Sie seit Einführung des Geldwäscherei-Gesetzes einige administrative Hürden zu überwinden. Dies vor allem, wenn Sie mit einem Haufen Geld daherkommen. Ihre Identifikation müssen Sie aber bei jeder Konto-Eröffnung beweisen.

 

Da Bareinlieferungen von mindestens 100000 Franken bei Aufnahme der Geschäftsbeziehung als Transaktionen mit erhöhtem Risiko gelten, müssten weitere Abklärungen vorgenommen werden: Sie müssten also beweisen können, dass Sie das Geld auf legalem Wege erhalten haben. Sie müssten den Ursprung des Vermögens aufzeigen können.

 

Ferner will die Bank Hintergrund und Zweck der Transaktion kennen. Sie wird unter Umständen Ihre finanziellen Verhältnisse und das berufliche Umfeld prüfen. Die Bank Coop beispielsweise will zusätzlich wissen, weshalb Sie die Bank Coop als Geschäftspartnerin ausgewählt haben. Die gemachten Angaben werden darauf auf ihre Plausibilität geprüft.

 

Sofern noch keine Geschäftsbeziehung besteht, kann das Konto unter Umständen nicht durch den Kundenberater allein eröffnet werden. Je nach Domizil und Nationalität ist die Zustimmung weiterer Personen erforderlich.

 

Häufig ist es daher einfacher, wenn man bei der Eröffnung des Dollar-Kontos lediglich 10000 Dollar einzahlt. In der Folge kann man dann das Konto immer noch mit weiteren Zahlungen aufstocken.

 

Erschienen im BLICK am 2. Juni 2007

Claude Chatelain