Chatelain rät: Scheidung - wie stopfe ich die Lücke?

Frage: Sie haben geschrieben, bevor man sich in die Pensionskasse einkaufe, müssten frühere Vorbezüge zurückbezahlt werden. Gilt das auch für mich, der vor der Scheidung steht und die Hälfte meines PK-Guthabens der Frau abtreten muss? Mein Anwalt hat gesagt, ich könne die durch die Teilung entstandene Lücke mit Einkäufen schliessen und bei den Steuern geltend machen. H.S. via E-Mail.

Antwort: Ihr Anwalt hat recht. Bei der Scheidung werden die Guthaben in der 2. Säule und der Säule 3a geteilt. Die dadurch entstandene Lücke in der Pensionskasse kann durch Einkäufe wieder geschlossen oder zumindest geschmälert werden, sofern das Ihre Finanzen erlauben.

 

Sie sind in einer besonderen Situation: Sie hatten noch vor Ihrer Heirat für die Finanzierung Ihrer Eigentumswohnung bei der Pensionskasse Gelder vorbezogen. Nun sagt das Gesetz, dass man erst dann wieder Einkäufe in die Pensionskasse tätigen kann, wenn der Vorbezug zurückbezahlt wurde. Der Gesetzgeber sah sich aus steuerlichen Gründen zu dieser Einschränkung gezwungen. Viele Versicherten hatten im grossen Stil Gelder vorbezogen, um sie postwendend wieder in die Pensionskasse einzuzahlen und den entsprechenden Betrag vom steuerbaren Einkommen in Abzug zu bringen. Wie gesagt: Dieser Trick funktioniert nicht mehr. Ich fasse zusammen:

1. Man kann die Lücken, die durch die Scheidung entstanden sind, wieder schliessen.

2. Man kann keine freiwilligen Einkäufe tätigen, solange der Vorbezug noch nicht zurückbezahlt ist.

 

Was gilt jetzt in Ihrem Fall? Es gilt Punkt eins. Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat sich kürzlich auf eben diesen Standpunkt gestellt: «Eine geschiedene versicherte Person hat die Möglichkeit, sich im Rahmen der übertragenen Austrittsleistung wieder einzukaufen, selbst wenn sie den Vorbezug für Wohneigentum noch nicht zurückbezahlt hat.»

 

Wohlverstanden: Solange der Vorbezug nicht zurückbezahlt ist, ist der freiwillige Einkauf nur bis zum Betrag erlaubt, der der Pensionskasse wegen der Teilung entnommen wurde. Der einbezahlte Betrag kann vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden.

 

Erschienen im BLICK am 26. Mai 2007

Claude Chatelain