Chatelain rät: Prügelei? minus ein paar Zähne

Der Fall betrifft mich zwar nicht direkt, aber es nimmt mich trotzdem wunder: Zwei Typen der Schulklasse meines Sohnes prügelten sich auf dem Pausenplatz. Der eine musste ins Spital. Wer bezahlt die Spitalkosten? Die Krankenversicherung, die Privathaftpflicht oder gar die Eltern des Schlägers? A. V., Zürich

Im Grundsatz gilt: Wer bewusst einen Schaden in Kauf nimmt, muss den Schaden selber zahlen. In solchen Fällen wird die Versicherung jegliche Zahlung verweigern. Somit stellt sich die Frage, ob der Schläger aufgrund seines Alters und seiner Reife davon ausgehen konnte, dass sein Tun mit erheblichen Kosten verbunden sein wird.

 

Zwei Beispiele zur Illustration: Ein Neuntklässler schlägt in einem Streit dem anderen die Zähne ein. Von einem Neuntklässler darf man erwarten, dass er weiss, dass eine rechte Gerade ins Gebiss des anderen einen erheblichen Schaden verursacht. Er, bzw. seine Eltern, werden tief in die Tasche greifen müssen.

 

Anderes Beispiel: Ein Erstklässler stellt einem Mädchen das Bein. Dieses fällt derart ungeschickt, dass es ins Spital muss. Der Erstklässler konnte die finanziellen Folgen seines Tuns nicht abschätzen. Die Privathaftpflichtversicherung seiner Eltern wird den Schaden übernehmen.

 

Zwischen diesen beiden Beispielen gibt es unzählige Fälle, bei welchen der Versicherer abschätzen wird, wie weit der Täter den Schaden bewusst in Kauf genommen hat. Unter Umständen wird die Versicherung nur einen Teil des Schadens übernehmen.

In der Praxis läuft es so: Die Krankenversicherung zahlt die Spitalrechnung. Danach wird sie prüfen, wie weit sie die Kosten abzuwälzen vermag. In erster Linie kommt dafür die Privathaftpflichtversicherung der Eltern in Frage. Falls diese die Kostenübernahme des Schadens aus den genannten Gründen ablehnt, wird die Krankenversicherung die Eltern zur Kasse bitten. Stephan Michel von der CSS-Krankenversicherung: «Wenn die Rechtslage eindeutig dafür spricht, dass die Hauptschuld beim Schläger liegt, würden wir allenfalls die Forderung auf dem betreibungsrechtlichen Weg durchsetzen.»

 

Erschienen im BLICK am 25. April 2007

Claude Chatelain