Chatelain rät: Soll ich mit Kassenoblis zuwarten?

Frage: Sie hatten zum Kauf von Kassenoblis geraten. Genau das habe ich vor. Sollte ich aber nicht etwas zuwarten, da doch die Zinsen im Steigen begriffen sind? I. S., Münsingen BE

Guter Punkt: Angenommen, Sie zeichnen heute eine fünfjährige Kassenobligation zu einem Zins von 2,5 Prozent. Auf einen Betrag von 10000 Franken werden Sie jährlich mit 250 Franken abgespiesen. Pech für Sie, falls Ihre Bank kommende Woche den Satz auf 2,75 Prozent erhöht. Würden Sie zuwarten, gäbe es 275 Franken pro Jahr. Auf fünf Jahre ergibt das eine Differenz von 125 Franken.

 

Sie sehen, das ist nicht die Welt. Ferner würde die Bank den Zinssatz kaum auf 2,75 Prozent, sondern bloss auf 2,625 Prozent erhöhen, womit sich der Zinsverlust halbiert. Sie verlieren aber noch höhere Zinserträge, falls Sie das Geld auf dem kümmerlich verzinsten Sparkonto belassen.

 

Im vergangenen Mai hatte ich an dieser Stelle die untenstehende Tabelle publiziert - natürlich mit den damals gültigen Sätzen. Die Bank Coop zahlte für den zweijährige Kassenschein einen Zins von 2,125 Prozent. Heute zahlt die Bank Coop 2,5 Prozent. Doch für das achtjährige Papier zahlte die Bank Coop damals wie heute 2,75 Prozent. Nur die kurzfristigen Sätze sind in der Zwischenzeit gestiegen.

 

Am meisten zahlt die Depositenkasse der Coop-Gruppe. Es handelt sich hier aber nicht um eine Bank, sondern um die Betriebskasse von Coop. Sie ist aber nicht nur Coop-Mitarbeitern, sondern allen offen.

 

Noch ein Wort zu den Raiffeisenbanken: Die Zentrale in St. Gallen gibt jeweils nur Empfehlungen heraus. Den einzelnen Raiffeisenbanken - sie sind mehrheitlich selbständige Genossenschaften - ist es freigestellt, die Empfehlungen zu befolgen oder nicht. So führt beispielseise die Raiffeisenbank der Stadt Bern bis Ende April eine Aktion durch: Sie bietet für sechsjährige Kassenobligationen einen Zins von 3 Prozent. Wo Aktionen lanciert werden, herrscht Wettbewerb. Für uns Anleger ist das eine gute Nachricht.

 

Erschienen im BLICK am 21. April 2007

Claude Chatelain