Bei Einmalprämien drohen Steuerfallen

Ich habe 1999 bei der Winterthur eine fondsgebundene Einmalprämienversicherung für 200'000 Franken abgeschlossen. Die Performance ist alles andere als gut. In zwei Jahren wird mir das Kapital ausbezahlt. Soll ich die Fondsanteile - es handelt sich um den CS Portfolio Fund Growth - schon heute verkaufen, zwei Jahre vor Vertragsende? A. b. in G.

Zuerst ein paar technische Erläuterungen zum Produkt: Sie haben eine fondsgebundene Einmalprämienpolice abgeschlossen. Von den überwiesenen 200 000 Franken wurden schätzungsweise 85 Prozent, also rund 170 000 Franken, in den CS Portfolio Fund Growth investiert. Den Rest behielt die Winterthur für die Entschädigung des Verkäufers und für Verwaltungskosten. Damals bekamen Sie eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen gutgeschrieben. Nun könnte man meinen, die Anzahl der Fondsanteile bleibe über all die Jahre konstant. Das ist falsch. Denn Sie haben eine Todesfallsumme versichert. Die Prämie für diesen Versicherungsschutz wird Ihnen monatlich belastet, indem die Versicherung Fondsanteile bzw. Bruchteile davon zurücknimmt. Und falls der Fonds Erträge abwirft, werden diese reinvestiert, was die Anzahl der Fondsanteile wieder vergrössert.

 

Einmalprämienversicherungen sind nicht immer steuerfrei

 

So gesehen könnten Sie sich die Fondsanteile auszahlen lassen, da Ihnen auch in den kommenden zwei Jahren für die Risikoprämie Fondsanteile abgezwackt werden. Dennoch rate ich Ihnen davon ab -aus steuerlichen Gründen.

 

Die Auszahlung des Kapitals einer fondsgebundenen Einmalprämienversicherung erfolgt unter drei Voraussetzungen steuerfrei:

  • Die Laufzeit beträgt mindestens zehn Jahre.
  • Sie sind beim Bezug mindestens 60 Jahre alt.
  • Sie waren beim Vertragsabschluss höchstens 66 Jahre alt.

Bedingung zwei und drei erfüllen Sie. Die erste Bedingung hingegen erfüllen Sie nicht.

Heute beträgt der Wert Ihrer Fondsanteile laut Ihren Angaben rund 220 000 Franken. Sie bezahlten aber vor acht Jahren «bloss» 200 000 Franken. Wenn Sie die Versicherung vorzeitig auflösen, müssen Sie die Differenz von 20 000 Franken mit Ihrem übrigen Einkommen versteuern. Neben den fondsgebundenen gibt es auch die klassischen Einmalprämienversicherungen. Hier fliesst die Sparprämie nicht in einen Fonds, sondern ins Anlageportefeuille des Versicherers. Bei dieser klassischen Variante gelten andere Einschränkungen: Statt zehn Jahren genügt hier eine fünfjährige Vertragsdauer, um das Kapital steuerfrei beziehen zu können.

 

Erschienen im CASH am 19. April 2007

Claude Chatelain