Chatelain rät: Wie lege ich 30000 Franken sicher an?

Ich möchte 30000 Franken auf drei Jahre sicher anlegen. Mein Bankberater hat mir ein strukturiertes Produkt empfohlen. Hatten Sie nicht davon abgeraten? Welches Risiko habe ich mit dem strukturierten Produkt? E. M. via E-Mail

Es gibt verschiedene Arten strukturierter Anlageprodukte. Einheitlich ist nur ihre Komplexität und Undurchsichtigkeit.

 

 

Ihnen wurde wohl ein Kapitalschutzprodukt empfohlen. Bei solchen Anlagevehikeln verspricht man Ihnen, bei Ablauf einen bestimmten Betrag garantiert zurückzuzahlen. Der Betrag wird in Prozent des Nennwertes ausgedrückt. Das tönt etwa so: «Bei Verfall wird das Kapital zu 100 Prozent durch den Emittenten gesichert.» Häufig werden auch nur 95 Prozent garantiert. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, am Kursgewinn steigender Aktienmärkte teilzuhaben. Das bedingt aber, dass die Aktienkurse auch tatsächlich steigen. Ansonsten müssen Sie sich mit der Kapitalgarantie zufrieden geben.

 

 

Es gibt Fälle, bei welchen es nicht falsch ist, ein solches kapitalgeschütztes Produkt ins Depot zu legen. Sie wünschen:

 

1. Eine Anlage mit einem kalkulierten Risiko.

 

2. Eine kurzfristige Anlage von nur drei Jahren.

 

Bei langfristigen Anlagen empfehle ich nämlich gewöhnliche Anlagefonds ohne teure Absicherungskosten. Doch bei einer kurzfristigen Anlagedauer von nur drei Jahren sind Aktienfonds zu riskant. Sie müssen aber darauf achten, dass das strukturierte Produkt in drei Jahren abläuft. Denn der Kapitalschutz gilt nur bei Verfall. Wenn Sie vorzeitig aussteigen, riskieren Sie höhere Verluste.

 

 

Und dann gibt es noch eine dritte Voraussetzung, damit strukturierte Produkte mit Kapitalschutzgarantie Sinn machen: Sie müssen fest daran glauben, dass die Aktienkurse weiter nach oben klettern. Wenn Sie hingegen skeptisch sind, kaufen Sie lieber Kassenobligationen. Diese haben nämlich nicht nur eine Kapitalschutzgarantie von 100 Prozent, sondern auch noch einen garantierten Zins von mindestens 2,25 Prozent pro Jahr. Und das bei tieferen Gebühren. Nur die Banken werden mit Kassenobligationen weniger glücklich als mit den margenträchtigen strukturierten Produkten.

 

Erschienen im BLICK am 18. April 2007

Claude Chatelain