Chatelain rät: Was ist faul an einem Zins von 9 Prozent?

Ich habe in der NZZ die Tabelle der neu herausgegebenen Obligationen angeschaut. Auffallend dabei: Die «Eurasia Capital for Home» zahlt einen Zins von 9,5 Prozent. Die Obligation ist in Dollar. Gehe ich mit ihr ein grosses Währungs- risiko ein? Oder ist sonst etwas faul am Ganzen? F. A., via E-Mail

Von Nobelpreisträger Milton Friedman stammt der Satz: «There is no such thing as a free lunch.» Wörtlich übersetzt: «So etwas wie ein gratis Mittagessen gibt es nicht.» Oder frei übersetzt: Wo Chancen winken, lauern auch Risiken.

 

In der Tat gehen Sie beim Kauf von Dollar-Obligationen ein Währungsrisiko ein. Doch bei der von Ihnen genannten Obligation liegt das Risiko nicht in der Währung, sondern beim Schuldner. Beachten Sie in der NZZ-Tabelle die Rubrik von «Moody's» oder «S&P». Da steht zum Beispiel A2 oder Aaa oder BBB+ oder A3. Das sind keine Hiero-glyphen. Das sind Noten für die Qualität des Schuldners. Die Ratingfirmen «Moody's» und «S&P» nehmen die Qualität der Schuldner unter die Lupe und geben ihnen ein Rating. Schuldner mit hervorragender Qualität, etwa die Eidgenossenschaft, erhalten bei «Moody's» die Höchstnote Aaa und bei «S&P» die Höchstnote AAA. Die zweithöchste Note bei «S&P» lautet AA, dann geht es via A, BBB, BB, B hinunter bis D. Was die einzelnen Noten bedeuten, sehen Sie in der Tabelle. Schuldner mit der Note BB oder tiefer werden salopp als «Junk-Bonds» bezeichnet.

 

Je tiefer das Rating, desto höher der Zins. Nur mit einem überdurchschnittlichen Zins wird der Anleger bereit sein, ein höheres Risiko einzugehen. Womit wir bei der Obli angelangt sind, die Ihnen in der NZZ-Tabelle aufgefallen ist: die «Eurasia Capital for Home» mit einem Zins von 9,5 Prozent. S&P gibt diesem Schuldner die Note B. Ein hoch spekulatives Papier also. Hände weg!

 

Erschienen im BLICK am 14. April 2007

 

 

 

 

Claude Chatelain