Help Point: Die Wohnung muss geputzt werden

Ich bin durch eine Erbschaft zu einem Mehrfamilienhaus gekommen. Nachdem eine Mieterin gekündigt hat, nutze ich die Gelegenheit, die Wohnung zu renovieren. Dummerweise habe ich das der Mieterin gesagt. Sie meint nun, sie müsse die Wohnung nicht reinigen lassen, da ja die Handwerker ins Haus kämen. Ich bin anderer Meinung. Wer hat recht? K. N. in B.

Aus juristischer Sicht haben Sie recht: Die Wohnung ist gemäss vertraglicher Vereinbarung zu reinigen. Fehlen solche Bestimmungen im Vertrag, «so ist gründlich zu reinigen». So steht es im Merkblatt des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes. Doch, was heisst «gründlich reinigen»? Im Merkblatt steht: Plättliböden sind aufzuwaschen, Holzböden zu spänen und zu wichsen. Und die Fensterscheiben müssen aussen und innen geputzt werden.

Suchen Sie mit der Mieterin einen Kompromiss

 

Ob Sie nun auf Ihrem Recht beharren wollen, obschon dann die Handwerker die Wohnung gezwungenermassen wieder verunreinigen, müssen Sie selber beurteilen. Von der Ferne aus betrachtet, könnte ich ein solches Vorgehen nicht verstehen. Ich könnte mir schon eher vorstellen, dass man sich gegenseitig entgegenkommt. Häufig verlassen die Mieter die Wohnung vorzeitig, müssen aber die Miete bis Ende der Mietdauer bezahlen. Vielleicht können Sie sich mit Ihrer Mieterin dahin gehend einigen, dass die Handwerker die Wohnung vorzeitig betreten dürfen. Als Gegenleistung hätte die Mieterin die Wohnung nicht zu putzen. Denn als Vermieter muss man wissen: Man darf die Handwerker nicht in die Wohnung lassen, solange der Mieter für die Miete aufkommt. Es sei denn, er erkläre ausdrücklich seine Zustimmung.

 

Erschienen im CASH am 5. April 2007

Claude Chatelain