Die richtige Kasse ist die beste Vorsorge

Kleinunternehmer ärgern sich über die hohen Kosten der Vorsorgeeinrichtungen. Zudem ist ihnen Zahlenakrobatik ein Gräuel. Doch ein Vergleich lohnt sich, denn die Prämienunterschiede sind riesig.

Hugo Fankhauser ist lieber am Hobeln, Fräsen und Sägen, als dass er vor dem Computer sitzt. «Die tägliche Büroarbeit ist für mich ein notwendiges Übel», sagt der Schreiner aus Habstetten bei Bern. Und was darüber hinausgeht, ist ihm schon fast ein Gräuel. Dazu gehört die Wahl der Vorsorgeeinrichtung für sich und seine Angestellten.

 

 

Allerdings hat jeder Gewerbler mit mindestens einem Versicherungsberater zu tun. Da ist es am einfachsten, die zweite Säule bei der gleichen Gesellschaft zu versichern, bei der schon die Geschäftsfahrzeuge, die Haftpflicht und der Betriebsunterbruch versichert sind. Die einfachste Lösung ist aber nicht immer die beste.

 

 

Hugo Fankhauser hat CASH gebeten, für ihn, seine zwei Schreiner und die teilzeitbeschäftigte Bürokraft die beste Vorsorgelösung zu suchen. «Ich will das mit der Pensionskasse ein für allemal regeln und nachher nichts mehr damit zu tun haben», fordert er.

 

Am einfachsten ist es, wenn ein Patron eine Offerte entsprechend der im Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) festgeschriebenen Minimalvorschriften verlangt. Damit hat er die Gewähr, dass identische Leistungen verglichen werden. Falls erwünscht, können in einer zweiten Phase im überobligatorischen Teil immer noch bessere Leistungen versichert werden.

 

Wie aber soll Schreiner Fankhauser vorgehen, um für sich und seine Angestellten die beste Pensionkassenlösung zu finden? Das sind die wichtigsten Punkte, die bei der Anfrage und der Wahl des Angebots zu beachten sind.

 

 

1. Die Offerte

 

Damit die Vorsorgeeinrichtung eine Offerte erstellen kann, braucht sie für jeden Angestellten drei Angaben: das Geburtsdatum, das Geschlecht und den AHV-Lohn. Das Kapital, das die Mitarbeiter von der bisherigen Pensionskasse mitbringen, kann ebenfalls angegeben werden, ist jedoch für den Prämienvergleich nicht notwendig. Das Datum des Versicherungsbeginns ist aber zwingend. Zudem muss der Chef ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine Offerte laut BVG erwünscht ist. Denn die Vorsorgeeinrichtungen haben den Hang, auch überobligatorische Leistungen anzubieten. Das ist zwar grundsätzlich nicht schlecht, verunmöglicht aber einen vernünftigen Vergleich.

 

 

2. Der Sparteil

 

Das Gesetz schreibt vor, wie viel im Minimum gespart werden muss. So betragen die minimalen Altersgutschriften für Arbeitnehmer unter 34 Jahren 7 Prozent des versicherten Lohnes. Dass der Sparteil in den Offerten leicht abweicht, ist auf die unterschiedliche Zinsberechnung zurückzuführen. Bei der PK Aetas ist der Sparteil höher, weil sie bei der teilzeitbeschäftigten Bürokraft einen höheren versicherten Lohn zugrunde legte. Damit sind auch die Leistungen für die Teilzeitkraft am höchsten. Die Basler hat die einzelnen Prämienbestandteile erst auf Anfrage hin aufgeschlüsselt.

 

 

3. Der Risikoteil

 

Die Versicherungsprämien für Tod und Invalidität sind für ein Schreinerunternehmen höher als zum Beispiel für eine Anwaltskanzlei. Jede Versicherung kalkuliert aufgrund eigener Daten aus der Erfahrung. Daher kann die Höhe der Risikoprämie stark abweichen. Bei der Zürich bzw. deren Sammelstiftung Vita sind die Verwaltungskosten in der Risikoprämie enthalten.

 

 

4. Die Verwaltungskosten

 

Die Sammelstiftungen haben die Risikoleistungen rückversichert. Sie wissen deshalb, was sie an Versicherungsprämien zahlen. Die Trennung zwischen Verwaltungs- und Risikokosten wird nicht überall gleich gehandhabt. Wichtig sind daher die Gesamtkosten. Grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass börsenkotierte Lebensversicherungen wegen des Gewinndrucks mit höheren Margen operieren als autonome Sammelstiftungen.

 

 

5. Der versicherte Lohn

 

Laut BVG beträgt der maximal versicherte Lohn 56 355 Franken. Der Betrag ergibt sich aus dem maximalen Jahreslohn von 79 560 Franken, abzüglich des Koordinationsabzuges von 23 205 Franken. Lohnbestandteile, die über diesen 56 355 Franken liegen, gehören zum überobligatorischen Teil. Der versicherte Lohn ist sehr wichtig, da auf diesem Betrag die Sparbeiträge von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer, die sogenannten Altersgutschriften, berechnet werden.

 

 

6. Die IV-Rente

 

Wie hoch die IV-Rente ausfällt, ist im BVG vorgeschrieben. Alle Sparbeiträge bis zum Rentenalter werden zusammengezählt. Danach wird die Summe zum Umwandlungssatz umgerechnet. Ein 45-jähriger Mann beispielsweise kommt bei einem versicherten Lohn von 56 355 Franken auf eine IV-Rente von 13 278 Franken. Die Höhe der IV-Rente sollte bei allen Offerten identisch sein. Allerdings bieten gewisse Sammelstiftungen IV-Leistungen nach dem BVG-Minimum gar nicht an. Bei Profond etwa liegt die IV-Rente über dem gesetzlichen Minimum. Sie beträgt 40 Prozent des versicherten Lohnes.

 

 

7. Die Ehegattenrente

 

Wie bei der IV-Rente ist auch die Berechnung der Ehegattenrente gesetzlich vorgegeben und sollte in den Offerten identisch sein.

 

 

8. Voraussichtliches Alterskapital

 

Je höher der technische Zins, desto höher das prognostizierte Altersguthaben. Doch wie hoch das Kapital bei der Pensionierung schliesslich ausfallen wird, hängt von der effektiven künftigen Verzinsung und somit vom Anlagegeschick der Vorsorgeeinrichtung ab. Das geschätzte Alterskapital sollte bei der Auswahl der Vorsorgestiftung nicht im Vordergrund stehen.

 

 

9. Die mutmassliche Rente

 

 

Wie das voraussichtliche Kapital ist auch die mutmassliche Rente nur eine Schätzung - und erst noch weniger verlässlich als das geschätzte Alterskapital. Denn die Höhe der Rente hängt auch noch vom Umwandlungssatz ab, dessen Höhe ungewiss ist.

 

 

10. Vollversicherung versus Sammelstiftung

 

 

Swiss Life und die Basler sind Vollversicherer, die anderen Anbieter Sammelstiftungen. Beim Vollversicherer darf der Deckungsgrad nicht unter 100 Prozent fallen. Sie bieten deshalb ein eng geknüpftes Sicherheitsnetz. Wegen dieser hohen - und aus der Sicht von manchen Experten übertriebenen - Ansprüche an die Sicherheit sind die Versicherer gezwungen, eine konservative und vorsichtige Anlagestrategie zu verfolgen.

 

 

Das schlägt sich langfristig in tieferen Renditen nieder. Ausserdem sind die Vollversicherer börsenkotierte Unternehmen mit einem hohen Gewinndruck. Auch deren Aktionäre wollen etwas vom Vorsorgegeschäft haben.

 

 

Nach der Durchsicht aller Offerten hat Hugo Fankhauser keine Qual der Wahl: Es gibt einen eindeutigen Sieger. Profond verlangt pro Jahr 21 223 Franken, um ihn und seine drei Angestellten zu versichern. Die Offerte ist satte 3148 Franken billiger als das teuerste Angebot, das von der Basler stammt. Profond ist dabei für Fankhauser und seine Mitarbeiter nicht nur am günstigsten, die Kasse bietet ebenfalls überobligatorische Leistungen, wenn einer seiner Angestellten invalid wird. Das schlägt sich dann in einer höheren IV-Rente nieder.

 

Erschienen im CASH am 5. April 2007

Claude Chatelain