Chatelain rät: Ältere Leute wollen leben, nicht rechnen

Frage: Warum empfehlen Sie H. H. aus Weggis eine Leibrentenversicherung ohne Rückgewähr abzuschliessen? Mir hatte der Versicherungsberater eine Versicherung mit Rückgewähr empfohlen. So werden die Erben bei meinem Ableben nicht leer ausgehen. Z. V. via E-Mail

Antwort: Die private Rentenversicherung ist dort zu empfehlen, wo die Renten der AHV und der Pensionskasse zum Leben nicht ausreichen. Also kauft man mit den Ersparnissen eine Rentenversicherung. Damit kommt man auf ein höheres Einkommen und muss sich keine Sorgen mehr machen, ob es reicht oder nicht.

 

Häufig gibt es rechnerisch bessere Lösungen als Leibrentenversicherungen. Man könnte z. B. das Vermögen verzehren. Doch besonders älteren Leuten nützen schöne Rechnungsbeispiele wenig. Sie wollen Garantien. Sie wollen nicht rechnen.

 

Bei der Rentenversicherung mit Rückgewähr wird beim Tod das noch nicht verbrauchte Kapital den Erben ausbezahlt. Viel werden die Erben nicht bekommen. Einen beträchtlichen Teil des Rückgewährskapitals wird der Steuervogt einsacken.

 

Wer schon mit dem bisherigen Renteneinkommen nicht klarkommt, sollte meines Erachtens nicht auch noch auf die Erben achten müssen. Wenn ein 70-jähriger Mann für 100000 Franken eine Rentenversicherung kauft, so kann er bei der Baloise mit einer monatlichen Rente von 570 Franken rechnen - ohne Rückgewähr. Bei der Variante mit Rückgewähr gibt es 96 Franken weniger. Das finde ich nicht unerheblich.

 

Meine Meinung: Die heutigen Rentnerinnen und Rentner gehören einer Generation an, die sich für ihre Kinder aufopferten. Sie haben ihre Schuldigkeit getan. Bei den scheidungsfreudigen und egoistischen Vätern und Müttern der jüngeren Generation mag dies womöglich anders sein.

 

Erschienen im BLICK am 31. März 2007

Claude Chatelain