Wenn die linke Hand nicht weiss, was die rechte tut

Der Bund will ältere Mitarbeiter länger bei der Arbeit halten, jagt sie aber frühzeitig in Pension. Das Problem ist erkannt. Jetzt versucht der Bund, wenigstens den Exodus bei den Jüngeren zu stoppen.

Die älteren Erwerbstätigen sollen länger im Arbeitsmarkt bleiben, so lautet das Ziel des Bundes. Allerdings steht dieses in scharfem Kontrast zur eigenen Personalpolitik: Wehe, ein 60-Jähriger möchte bis zur Pensionierung ausharren. Er riskiert, mit einer kleineren Rente bestraft zu werden. Denn mit dem neuen Gesetz über die Vorsorgeeinrichtung des Bundes (Publica) stehen heute um die 2500 Bundesangestellte vor der Entscheidung, frühzeitig mit einer höheren statt später mit einer tieferen Rente den Dienst zu quittieren.

 

«Man hätte die Übergangsbestimmungen grosszügiger gestalten müssen», sagt Hans Müller, Generalsekretär des Bundespersonalverbands, «doch Bundesrat und Parlament hatten dafür kein Musikgehör.» Gewisse Kreise vertraten gar die Ansicht, der Exodus pensionierungsfähiger Staatsdiener sei nicht unwillkommen und eine gute Gelegenheit, den Arbeitsplatzabbau zu beschleunigen.

 

Wie die neue Rentensituation genau aussieht, ist derzeit noch unklar. «Ich gehe davon aus, dass wir Ende der Sommerferien mit dem Simulationsprogramm die Renten berechnen können», sagt Publica-Chef Werner Hertzog. Nach der heute geltenden Regelung erhalten frühpensionierte Bundesangestellte eine Überbrückungsrente in der Höhe der einfachen AHV-Rente. Die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber, sprich: der Steuerzahler, die andere Hälfte muss der Versicherte abstottern. Wer vor Juli 2008 in Pension geht, profitiert von dieser Regelung. Wer das Bundeshaus später verlässt, weiss noch nicht, wie die Überbrückungsrente ausgestaltet wird. Das letzte Wort hat hier der Bundesrat.

 

Will er die Partizipation der älteren Semester im Arbeitsmarkt erhöhen, müsste er für jene, die nach dem neuen Publica-Gesetz pensioniert werden, eine möglichst lukrative Überbrückungsrente beschliessen. Nur so entfiele für die älteren Bundesangestellten der Anreiz, in die Frühpension zu flüchten. Eine üppige Überbrückungsrente widerspricht jedoch den Sparbemühungen des Bundes.

 

Die Publica-Umstellung betrifft auch die Jüngeren. Viele der 45- bis 54-Jährigen suchen wegen der drastischen Renteneinbusse nach Alternativen. Das Problem ist erkannt. Nach dem Motto: Retten, was noch zu retten ist, soll für eine Übergangszeit die finanzielle Belastung mit höheren Arbeitgeber- und tieferen Arbeitnehmerbeiträgen abgefedert werden. Auch dies muss der Bundesrat noch absegnen.

 

Erschienen im CASH am 29. März 2007

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Claude Chatelain