Chatelain rät: Sie schlafen besser mit der Rente

Mir ist bekannt, dass Sie kein Fan von Rentenversicherungen sind. Dennoch trage ich mich mit dem Gedanken, eine solche abzuschliessen. Ich will einfach möglichst wenig mit Geldanlagen zu tun haben. Könnten Sie mir nochmals sagen, was konkret an Rentenversicherungen so schlecht ist? H. H., Weggis LU

Halt, Sie verwechseln etwas! Versicherungsverkäufer werfen mir jeweils vor, ich hätte etwas gegen Versicherungen. Das ist dummes Zeug. Ich bin kein Dogmatiker. Ich habe nur etwas gegen ganz bestimmte Versicherungsprodukte. (Dummerweise gerade jene, mit welchen die Verkäufer die grössten Gewinne erzielen.)

 

Die Leibrentenversicherung gehört nicht dazu. Im Gegenteil: Ich habe sie in diesen Spalten wiederholt empfohlen. Bei diesem Versicherungstyp erhält man gegen eine Prämie lebenslänglich eine garantierte Rente ausbezahlt.

 

Logisch: Es gibt Fälle, wo ich eine andere Lösung vorziehe. Es gibt aber ebenso Fälle, in denen Rentenversicherungen zu empfehlen sind. Ich sagte immer: Leibrenten sind wenig rentabel, dafür komfortabel. Wem also der Komfort wichtiger ist als die Rentabilität, der ist mit einer Rentenversicherung gut beraten.

 

Verwerflich finde ich, wenn Versicherungsverkäufer ihren Kunden empfehlen, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen, um mit dem Erlös eine private Rentenversicherung zu kaufen. Ihr Argument: Die Pensionskassenrente sei zu 100 Prozent zu versteuern, die Leibrente hingegen nur zu 40 Prozent.

 

Trotz dieses steuerlichen Vorteils lohnt sich diese Übung in der Regel nicht - zumindest nicht für den Kunden. Man muss nämlich bedenken, dass die Auszahlung des Pensionskassenkapitals zu versteuern ist. Man wird also nicht das gesamte PK-Guthaben in die Leibrente investieren können.

 

Werden Sie eine Rentenversicherung mit oder ohne Rückgewähr abschliessen? Ich empfehle die Variante ohne Rückgewähr. Schliessen Sie hingegen eine Rentenversicherung mit Rückgewähr ab, wird den Erben das noch nicht verbrauchte Kapital zurückbezahlt. Allerdings erkaufen Sie sich diese Dienstleistung mit deutlich tieferen Renten - und der Fiskus macht auch noch die hohle Hand.

 

Erschienen im BLICK am 21. März 2007

Claude Chatelain