Mitarbeiter ab 55 sind am teuersten

Das Problem ist erkannt: Das Reglement der beruflichen Vorsorge verteuert die Arbeit der älteren Mitarbeiter. Doch die Fehlkonstruktion wird beibehalten, denn ein Systemwechsel würde Milliarden kosten.

Den Arbeitgebern wird es nicht schmackhaft gemacht, auch ältere Semester einzustellen. Je älter der Mitarbeiter ist, desto teurer kommt er zu stehen. Dies nicht wegen des tendenziell höheren Lohnes, sondern wegen der höheren Sozialabgaben. Nirgends wird das so deutlich wie im Gesetz über die berufliche Vorsorge (BVG). Das Gesetz schreibt eine Mindesthöhe der Sparbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern vor. Diese Prozentzahl nimmt mit zunehmendem Alter zu. Bei den Jungen beträgt die minimale Altersgutschrift 7 Prozent des versicherten Lohnes. Dieser Satz steigt gestaffelt auf bis zu 18 Prozent für die über 55-Jährigen (siehe Tabelle). Also allein bei der beruflichen Vorsorge zahlt der Arbeitgeber für seine älteren Arbeitskräfte mehr als doppelt so hohe Beiträge wie für junge Leute unter 34 Jahren. «Das ist ein echtes Problem», sagt Aymo Brunetti vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). «Leider können wir diese Ausgestaltung kaum rückgängig machen. Die Umstellung würde Milliarden kosten.»

 

Die Knacknuss ist die Übergangsphase: Würden die Altersgutschriften der über 45-Jährigen gekürzt, hätten sie bis zur Pensionierung deutlich weniger angespart. Sie kämen nicht auf das vorgesehene Sparziel. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Seco und des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV), kommt in einer Studie zum Schluss, «dass ein einheitlicher Gutschriftensatz angesichts der deutlichen Mehrkosten nicht zur Umsetzung empfohlen werden kann». Der Basler SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner widerspricht: Auch er hat gerechnet und vorgeschlagen, die Altersgutschriften der über 55-Jährigen auf 15 Prozent zu senken. Die dadurch entstehende Sparlücke hätte nach seiner Vorstellung durch die AHV ausgeglichen werden können.

 

Die vom Seco und BSV initiierte Arbeitsgruppe hat einen weiteren Ausweg aus der unerfreulichen Lage geprüft: Während einer Übergangszeit von 40 Jahren könnten zwei Systeme parallel geführt werden. Nur bei den Arbeitnehmern, die neu in das Erwerbsleben einsteigen, würden die einheitlichen Abzüge vorgenommen. Auch dieser Weg wäre natürlich mit hohen Kosten verbunden. Und: Vorschläge, die heute nur Kosten verursachen und erst in 40 Jahren wirksam werden, haben in der Politik kaum Chancen.

 

Mini-Reformen bei der AHV- und der BVG-Revision

 

Immerhin: «Der Bundesrat wirkt darauf hin, dass wenigstens die anderen Bestrafungen in den Sozialversicherungen eliminiert werden», sagt Brunetti. Ein Beispiel dafür ist die 11. AHV-Revision, welche Personen ab 60 erlauben will, die Hälfte der AHV-Rente vorzubeziehen. Auch bei der beruflichen Vorsorge werden Massnahmen für ältere Arbeitnehmer vorgeschlagen.

 

Freilich handelt es sich mehrheitlich um Vorschläge, welche die Vorsorgeeinrichtungen im Pensionskassenreglement zugunsten der älteren Arbeitnehmer vorsehen können. Es sind demnach Kannlösungen. Sie ändern nichts an der Tatsache, dass die älteren Arbeitnehmer die Firma teurer zu stehen kommen als die jüngeren Mitarbeiter.

 

Einige Pensionskassen machen es vor

 

Zumindest für jene Vorsorgeeinrichtungen, welche neben dem obligatorischen auch einen überobligatorischen Teil enthalten, gäbe es eine elegantere Lösung, um die älteren Mitarbeiter besserzustellen: Man definiert einen einheitlichen Satz, wie das etwa die Pensionskasse des Flugwartungskonzerns SR Technics vormacht. Damit aber die Vorgaben des BVG erfüllt sind, müssen in solchen Fällen im überobligatorischen Teil von den jüngeren Mitarbeitern höhere Beiträge verlangt werden. Man macht also eine Mischrechnung.

 

Die Personalvorsorgestiftung der Ringier-Gruppe oder die Pensionskasse des Kantons Luzern gehen noch weiter: Bei diesen Stiftungen ist die Kurve der Altersgutschriften im Alter degressiv. Bei der Luzerner Pensionskasse nehmen die Arbeitgeberbeiträge ab Alter 59 wieder ab. Es kommt den Steuerzahler im Kanton Luzern also günstiger - bei gleichem Lohn - 60-jährige statt 50-jährige Personen anzustellen.

 

Erschienen im CASH am 15. März 2007

Claude Chatelain