Chatelain rät: Achtung, Falle in der Säule 3a

Frage: Meine Frau trat am 1. Dezember 2005 eine Stelle an, die ihr einen Monatslohn von 1600 Franken einbrachte. Auf dieses Datum wurde sie auch durch die 2. Säule versichert. Per Dezember 2005 zahlte ich dann in die Säule 3a 6000 Franken, die ich in der Steuererklärung in Abzug brachte. Nun meint der Steuerbeamte, der einbezahlte Betrag dürfe das Einkommen nicht übersteigen. Wo steht das?  H. O., TG

Ihre Frage beschäftigt viele Leute: Darf eine Person, welche im Jahr weniger als 6365 Franken verdient, trotzdem den gesetzlich erlaubten Maximalbetrag von derzeit 6365 Franken in die Säule 3a einzahlen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen? Die Antwort lautet: nein. Dies steht zwar weder im Gesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) noch in den dazu gehörenden Verordnungen. Dies ist aber die Meinung der Eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern. Und auch das Verwaltungsgericht im Kanton Luzern hatte vor gut zehn Jahren in diesem Sinne entschieden. Die Richter argumentierten, man könne nicht mehr einzahlen als man verdiene.

 

Unter Juristen ist diese Argumentation jedoch umstritten: Der Thurgauer BVG-Rechtsexperte Wolfgang Maute stellt sich auf den Standpunkt, der volle steuerliche Abzug von 6365 Franken sollte möglich sein, auch wenn der Verdienst darunter liegt. Erstens stelle das Gesetz keine entsprechenden Bedingungen. Und zweitens seien die Einzahlungen in die Säule 3a keine Gewinnungskosten. Als Gewinnungskosten sind die mit der Arbeit verbundenen Auslagen gemeint. So etwa die Kilometerentschädigung, die Kosten fürs auswärtige Essen oder die Kosten für spezielle Berufskleider. Im Unterschied zu diesen Gewinnungskosten stehen die Einzahlungen in die Säule 3a in keinem Zusammenhang zum Verdienst - also sollte der volle Abzug möglich sein.

 

Der Juristenstreit hilft Ihnen jedoch nicht weiter. Erst wenn das oberste Gericht zu dieser Frage Klartext redet, ist die Sachlage klar. Doch wer begeht schon den steinigen juristischen Weg, um im besten Fall ein paar hundert Franken zu sparen? Ich empfehle Ihnen, den Entscheid der Veranlagungsbehörde zu akzeptieren - wenn auch zähneknirschend.

 

Erschienen im BLICK am 10. März 2007

Claude Chatelain