Chatelain rät: Strukturierte Produkte sind interessant vor allem für die Banken

Frage: Ich bin 60 Jahre alt und will 100000 Franken anlegen. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat mir drei Vorschläge unterbreitet. Unter anderem wird mir vorgeschlagen, 50000 Franken in den «ZinSMI» zu investieren. Könnten Sie mir sagen, was ich davon halten soll? A. R., Gossau SG

Antwort: Der «ZinSMI» ist ein strukturiertes Produkt, wie sie gegenwärtig halt wahnsinnig in Mode sind. Es wird Ihnen ein Jahreszins von 1,4 bis 4 Prozent garantiert. Und Sie erhalten bei Ablauf im Juli 2011 garantiert 100 Prozent des Nominalwertes zurück. Doch machen Sie sich nicht allzu grosse Hoffnungen: Interessant sind diese Produkte vor allem für die Banken.

 

Passen Sie auf: Im Prospekt steht, man werde den «Einsatz zu 100 Prozent garantiert zurückerhalten». Diese Aussage ist falsch. Nicht der Einsatz, sondern der Nominalwert ist garantiert. Denn schon bei der Lancierung dieses Produktes lag der Ausgabepreis über dem Nominalwert. Was sagt die ZKB zu dieser Lüge? «Ich hoffe, dass es sich dabei nicht um eine absichtliche Irreführung, also eine Lüge, sondern "nur" um eine ungeschickte Formulierung handelt.» Immerhin ist die ZKB-Sprecherin persönlich auch der Meinung, «dass man den Text im Prospekt anpassen sollte».

 

Derzeit wird der «ZinSMI» an der Börse zu einem Kurs von rund 102 Prozent gehandelt. Hinzu kommt noch die börsenübliche Courtage von gut einem Prozent. Auch die Depotgebühr wird Ihnen nicht geschenkt. Fazit: Garantiert sind nicht 100 Prozent Ihres Einsatzes, sondern nur um die 96 Prozent.

 

Auch der Mindestzins von 1,4 Prozent, der sich nota bene auch auf den Nominalwert bezieht, ist nicht berauschend. Zur Erinnerung: Bei fünfjährigen Kassenobligationen gibt es 2,5 Prozent Zins - auch garantiert. Nun werden Sie mir vielleicht entgegnen, der Zins könne auch 4 Prozent betragen. Ich schätze, der Zins wird näher bei 1,4 als bei 4 Prozent zu liegen kommen.

 

Die Banken entwickeln stets ausgeklügeltere Produkte. Sie tun dies, um Geld zu verdienen, nicht um dem Kunden einen Gefallen zu tun. Dies ist zwar eine Binsenwahrheit - und doch muss immer wieder daran erinnert werden.

 

Erschienen im BLICK am 24. Februar 2007

Claude Chatelain