Unter einem schlechten Stern

Fonds mit einem Ein-Stern-Rating von S & P schaffen selten den Turnaround. Banken richten solche Fonds oft neu aus. Anleger haben dann plötzlich Wertschriften, die nicht mehr in ihr Depot passen.

Investoren sollten mit schlechten Fonds nicht zu viel Geduld haben und auf Besserung hoffen. Dies nicht nur wegen der schlechten Performance. Anlagefonds mit einer tiefen Rendite werden häufig auch neu ausgerichtet und sind dann mit dem ursprünglichen Produkt nicht mehr vergleichbar. Der Anlagefonds fällt in diesem Fall in eine neue Kategorie und kann wieder von vorne beginnen - und dies erst noch mit einem bereits bestehenden Vermögen.

 

Noch schlimmer ist, dass die Besitzer der entsprechenden Fondsanteile unter Umständen plötzlich im Besitz von Wertschriften sind, die sie gar nicht haben wollten. Das heisst zum Beispiel, aus einem Aktienfonds Deutschland wird ein Aktienfonds Euroland, aus einem Asienfonds ohne japanische Aktien wird ein Asienfonds mit japanischen Titeln, oder der Osteuropafonds wird plötzlich zu einem global anlegenden Schwellenländerfonds.

 

Die UBS stellt den Kunden ungefragt vor neue Tatsachen

 

Ein neueres Beispiel liefert die UBS. Sie hat den UBS (CH) Bond Fund - High Yield (CHF) auf Ende 2006 neu ausgerichtet. Er heisst jetzt UBS (CH) Key Selection Fund - Bonds (CHF). Damit investiert er nicht mehr nur in Hochzinsobligationen, sondern auch in Papiere mit einer höheren Qualität. Über die Hälfte des Fondsvermögens ist nun in Obligationen mit einem Rating von A, AA oder AAA investiert. Die Investoren, die mit dem Kauf des UBS High Yield (CHF) bewusst in Obligationen mit einem tieferen Rating und hohen Renditechancen investieren wollten, haben nun mündelsichere Papiere im Depot, obschon sie das gar nicht wollten.

 

Dieses Vorgehen ist in der Branche weitverbreitet. Aber die Anleger könnten wenigstens erwarten, dass sie die Gelegenheit hätten, spesenfrei in andere, vergleichbare Fonds zu wechseln. Doch die UBS macht dieses Angebot nicht. «Da ein Wechsel in einen anderen Fonds in jedem Fall mit einer Beratung verbunden sein sollte, fallen auch entsprechende Ausgabegebühren an», heisst es bei der Medienstelle der UBS. Ein schwacher Trost ist da die Aussage, dass «im Rahmen der Beurteilung der Gesamtbeziehung mit einem Kunden» ganz oder teilweise auf die Ausgabekommission verzichtet werden könne.

 

Fonds, die von den Banken frisch positioniert werden, haben eine schlechte Rendite. «Niemand ändert die Strategie eines erfolgreichen Fonds», sagt Felix Horlacher von JML in Zug. In der Tat gehörte auch der UBS (CH) Bond Fund - High Yield (CHF) zu den schlechten Produkten. Das zeigen die Untersuchungen der Fondsanalysefirma Standard & Poor's Fund Services. Sie bewertet in der Kategorie «globale Hochzinsanleihen» 18 verschiedene Fonds.

 

Besagter UBS-Fonds landete auf Rang 16. Er wird von S & P mit einem Stern, dem schlechtesten Wert, beurteilt. Die besten Fonds erhalten bei S & P fünf Sterne (siehe Box).

Es gibt noch andere Fonds, die in Ratingvergleichen schlecht abschneiden und somit neu positioniert werden könnten (siehe Tabelle). So liegt der UBS (Lux) Equity Fund Euro Stoxx 50 im Performancevergleich im untersten Viertel. Nun könnte die UBS den Vergleichsindex ändern, neue Titel aufnehmen - und schon würde der Fonds in einer anderen Kategorie landen. Weitere Beispiele sind ABN Amro, Credit Suisse und wieder die UBS, die aus ihren Deutschlandfonds einen Europa-Fonds machen könnten, wie das Swisscanto oder Pictet vor zwei Jahren vorgemacht haben. Damit könnten sich die Anbieter einer Altlast entledigen.

 

Mindestens der Fondswechsel sollte gratis sein

 

Eine elegantere Lösung wäre natürlich, der Fondsmanager würde sich mehr anstrengen und alle Hebel in Bewegung setzen, um eine bessere Performance hinzukriegen. Dies ist aber einfacher gesagt als getan: Wer wegen schlechter Leistung kein Neugeld erhält, ist in der Anlagepolitik stark eingeschränkt. Dem Fondsmanager fehlen die Mittel, um neue Ideen umzusetzen. Als Fazit bleibt: Ein schlechter findet nur selten wieder aus dem Loch heraus. Schlecht bleibt oft schlecht.

 

Wenn aber die Fondsgesellschaft wirklich keine andere Möglichkeit mehr hat, das Produkt weiterzuführen, so sollte den Anlegern zumindest die Möglichkeit gegeben werden, kostenlos einen anderen Fonds zu erwerben - inklusive Beratung. Die Anleger sollten jedenfalls unbedingt auf einem kostenlosen Wechsel beharren.

 

Ein bis fünf Sterne

Was die Sterne bedeuten


Standard & Poor's Fund Services bewertet Anlagefonds aufgrund ihrer Rendite. Die besten Fonds erhalten fünf Sterne, die schlechtesten noch einen Stern. In der Tabelle sind ausgewählte «Ein-Stern-Fonds» von bekannten Fondsgesellschaften aufgeführt. Dabei ist nicht die absolute, sondern die risikobereinigte Performance eines Fonds relativ zu den anderen Fonds derselben Kategorie massgebend. Der Performance-Vergleich von Standard & Poor's wird auf der Homepage von CASH publiziert: www.cash.ch

*****: die besten 10 Prozent der Fonds einer Kategorie

****: top 11 bis 30 Prozent

***: top 31 bis 50 Prozent

**: weitere 25 Prozent

*: die letzten 25 Prozent

 

Erschienen im CASH am 15. Februar 2007


Claude Chatelain