Für mehr Rendite ins Ausland

Der Euro wirft höhere Zinsen ab als der Franken. Daher haben Euro-Policen bessere Konditionen. Das Währungsrisiko ist aber gross. Die Policen eignen sich vor allem für Rentner, die im Ausland wohnen.

 

Seit Mitte Dezember sind bei der Versicherungsgesellschaft Helvetia die Leibrentenversicherungen auch in Euro zu haben. Und im Verlauf des Jahres wird die Bâloise ebenfalls neue Produkte in Euro auf den Markt bringen: ein Leibrentenangebot und eine Kapitalversicherung gegen Jahresprämien.

Es ist wenig bekannt, dass die grossen Schweizer Lebensversicherer auch hierzulande Euro-Policen anbieten. Das wird sich mit der Lancierung dieser neuen Angebote ändern. «Ich habe einem Kunden soeben eine Einmalprämienversicherung in Euro offeriert», verrät Roger Ledermann vom Makler Info4insider in Gümligen. Und die Helvetia erklärt: «Sowohl Personen mit EU-Pass als auch Personen, die von besseren Bedingungen profitieren möchten, interessieren sich für eine Versicherung in Euro.»

 

Bessere Bedingungen? Gemeint sind die höheren garantierten Leistungen: Bei Rentenversicherungen ist das die garantierte lebenslängliche Rente und bei Kapitalversicherungen das garantierte Erlebensfallkapital. Denn Versicherungen in Euro bringen höhere Leistungen, weil auch der technische Zins in den meisten Fällen höher ist. In der Schweiz ist dieser infolge der anhaltend tiefen Zinsen auf ein sehr bescheidenes Niveau gesunken: Er beträgt nur 2 Prozent. Entsprechend mickrig sind die garantierten Leistungen.

 

Anderer Versicherer, anderer technischer Zins

 

Bei Euro-Policen liegt der technische Zins meistens darüber: Bei der Bâloise und der Vaudoise beträgt er noch 3 Prozent, bei der Swiss Life und der Winterthur 2,75 Prozent. Gemäss dem Bundesamt für Privatversicherungen muss der technische Zins für Euro-Policen noch in diesem Jahr auf 2,75 Prozent gesenkt werden. Er darf aber auch darunter liegen: Zürich, PAX und Helvetia rechnen auch bei Euro-Versicherungen mit einem Zins von 2 Prozent, genau gleich wie bei Franken-Policen. PAX-Sprecher Balz Stückelberger: «Eine allfällige Differenz zum Zinsniveau im Euroraum wird über die Überschussbeteiligung ausgeglichen.»

 

Oft wird für den festverzinslichen Teil eines Wertschriftenportefeuilles die steuerbegünstigte Einmalprämienversicherung einer Obligation vorgezogen. Daher könnte der Anleger insbesondere bei Einmalprämienversicherungen versucht sein, mit der Euro-Variante auf eine höhere Rendite zu spekulieren. Und wenn die Fremdwährungspolice einen höheren Ertrag abwirft, wirkt sich der Spareffekt dank der Befreiung von der Einkommenssteuer besonders stark aus. Das Steuerprivileg gilt aber nur für Versicherungsnehmer, die das angesparte Kapital nicht vor dem sechzigsten Altersjahr beziehen und den Vertrag vor dem Alter 66 abschliessen. Zudem muss die Vertragsdauer mindestens fünf Jahre betragen.

 

Die Rechnung dürfte für jene aufgehen, die beim Bezug der Leistungen im Euroraum wohnen. Schweizer-Franken-Anleger sollten sich allerdings vom höheren technischen Zins bzw. der höheren garantierten Leistung nicht blenden lassen. Auch Fremdwährungsobligationen bieten - mit Ausnahme des Yen - höhere Zinserträge als die vergleichbaren Franken-Papiere. Wie allerdings die Erfahrung lehrt, schwindet der Mehrertrag rasch, wenn der Euro gegenüber dem Franken an Wert verliert. Der Mehrertrag, den Euro-Sparversicherungen im Vergleich zu Franken-Versicherungen versprechen, ist sogar geringer als bei den Obligationen: Zehnjährige Euro-Anleihen rentieren 4,1 Prozent, vergleichbare Franken-Obligationen hingegen 2,6 Prozent. Die Differenz beträgt also 150 Prozentpunkte. Bei den Spar- und Leibrentenversicherungen liegt die Differenz der technischen Zinssätze bei lediglich 75 Prozentpunkten. Währungsverluste schlagen also bei Lebensversicherungen noch stärker durch als bei Obligationen.

 

Bemerkenswert ist noch Folgendes: In Deutschland beträgt der gesetzlich garantierte Zins nur 2,25 Prozent, in der Schweiz wie gesagt 2,75 Prozent. Trotzdem kann Swiss-Life-Sprecher Frank Keidel nicht bestätigen, dass es aus dem Euroraum einen Run auf Euro-Policen von Swiss Life geben würde. Das erstaunt wenig: Was nicht bekannt ist, lässt sich auch nicht verkaufen.

Es ist der Traum vieler Schweizer, den Lebensabend im Süden zu verbringen.

 

Erschienen im CASH am 1. Februar 2006

 

Glossar

Einmalprämienversicherung: Im Gegensatz zur Versicherung gegen periodische Prämien wird die Prämie auf einen Schlag überwiesen.

Erlebensfallkapital: Der Betrag, der bei Vertragsablauf ausbezahlt wird, sofern der Versicherte nicht vorher verstorben ist.

Kapitalversicherung: Auch Spar- oder gemischte Versicherung genannt. Nach Ablauf der Laufzeit wird die Erlebensfallleistung plus allfälliger Überschussanteile an den Versicherten ausbezahlt. Beim Tod während der Laufzeit wird die Todesfallsumme an die Begünstigten ausbezahlt.

Rentenversicherung: Mit dem Kauf einer Rentenversicherung kann eine lebenslängliche Altersrente finanziert werden.

Technischer Zins: Entspricht dem für die gesamte Vertragsdauer garantierten Mindestzins, zu dem der Sparteil angelegt wird. Auch garantierter Zinssatz genannt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain