Chatelain rät: Wer zahlt mehr als 1,5 Prozent?

Frage: Das Freizügigkeitskonto der Migrosbank zahlt nur noch mickrige 1,5 Prozent Zins. Das ist unerträglich. Für was arbeitet man noch? Welche Bank zahlt höhere Zinsen? A. S., via E-Mail

Sollte eine Bank für das Freizügigkeitskonto einen Zins über 1,5 Prozent bezahlen - bitte melden. Es ist mir kein Geldinstitut bekannt, welches sich bei Freizügigkeitskonti kulant gibt. Selbst die WIR-Bank, früher bei den Zinsen mit Abstand führend, zahlt nur noch 1,5 Prozent.

 

Es ist kein Geheimnis, dass die Banken an Freizügigkeitskonti nur ein geringes Interesse haben. Die Konti der 2. Säule sind klassische Durchlauferhitzer: Eine Person verlässt die Stelle, ohne gleich zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln. Ergo wird das Geld auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen, früher Sperrkonto genannt. Und wenn der Konto-Inhaber wenige Monate später eine neue Stelle antritt, wird das Geld wieder abgezogen. Die Bank wird sich sagen: Ausser Spesen nichts gewesen.

 

Anders verhält es sich mit den Konti der Säule 3a. Hier handelt es sich nicht um die berufliche (2. Säule), sondern um die freie Vorsorge (3. Säule). Die Gelder bleiben häufig bis wenige Jahre vor der Pensionierung bei der Bank.

 

Es gibt noch einen anderen Grund, weshalb die Banken bei der Verzinsung der Freizügigkeitskonti knausrig sind: Sie möchten, dass der Kunde mit dem Geld Anlagefonds kauft. Solche Vorsorgefonds, die speziellen gesetzlichen Auflagen unterliegen, sind für die Banken lukrativer. Doch ich rate Ihnen davon ab: Sobald Sie eine neue Stelle antreten, müssen Sie das Geld der neuen Pensionskasse überweisen. Und wenn Sie nur kurz zuvor mit diesem Geld Anlagefonds kauften, besteht das Risiko, dass Sie die Fonds mit Verlust verkaufen müssen. Anlagefonds sind nur bei einer Anlagedauer von mehreren Jahren zu empfehlen.

 

Erschienen im BLICK am 31. Januar 2007

Claude Chatelain