Wie die UBS mit dem Kunden umspringt

Ich wiederhole mich: Anlagefonds sind etwas vom Besten, was die Finanzindustrie für den Kleinsparer kreiert hat. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Jüngstes Beispiel liefert uns die UBS. Sie ändert die Fondsstrategie und stellt den Anleger vor neue Tatsachen.

Anleger, die Anteile des «UBS (CH) Bond Fund - High Yield» kauften, taten dies aus einem bestimmten Grund: Sie wollen in Obligationen mit überdurchschnittlichen Renditen investieren, in sogenannte High-Yield-Bonds. Bei diesen Obligationen besteht die Gefahr, dass sie nicht zurückbezahlt werden können. Doch mit dem Kauf einer Vielzahl solcher Junk-Bonds wird das Risiko schön verteilt.

 

Nun hat die UBS den «UBS Bond Fund - High Yield» neu ausgerichtet und umgetauft. Der Fonds heisst neu: «UBS (CH) Key Selection Fund - Bonds (CH)». Damit investiert der Fonds überwiegend in Obligationen mit einer besseren Kreditqualität. Das entspricht in keiner Weise dem, was der Käufer ursprünglich wollte.

Was hier die UBS macht, ist leider kein Einzelfall. Die Fondsanbieter wechseln wiederholt die Strategie ihrer Fonds und stellen den Anleger vor vollendete Tatsachen. Wer mit der neuen Ausrichtung nicht einverstanden ist, kann die Anteile zwar verkaufen. Meistens ist dabei ein Verlust in Kauf zu nehmen, denn die Neu-Ausrichtung eines Fonds hat immer denselben Grund: Das Vertuschen der schlechten Performance. Es werden nur solche Fonds neu ausgerichtet, die im Konkurrenzvergleich schlecht abschneiden. Von 18 vergleichbaren Fonds liegt der UBS-High-Yield punkto Rendite auf Rang 16. Doch Fonds mit einem schlechten Leistungsausweis bringt man nicht mehr an den Kunden. Also definiert man eine neue Strategie. Damit gelangt der Fonds in eine andere Kategorie und kann von vorne beginnen.

Nun könnte man meinen, die UBS würde dem Kunden einen kostenlosen Wechsel in einen anderen vergleichbaren Fonds anbieten. Weit gefehlt: Auf Anfrage erklärte mir die UBS, «die Ausgabekommissionen stellen grundsätzlich ein Entgelt für die Beratungsleistung dar. Da im Fall der Umpositionierung ein allfälliger Wechsel in einen anderen Fonds in jedem Fall mit einer Beratung verbunden sein sollte, fallen auch entsprechende Ausgabekommissionen an», erklärt die grösste Bank der Schweiz.

Ein starkes Stück, wenn Sie mich fragen. Immerhin heisst es dann auch noch bei der UBS, dass je nach Kundenbeziehung die Ausgabekommission bei einem Wechsel erlassen werden könne. Mein Tipp: Pochen Sie darauf, dass die Ausgabekommission erlassen wird, falls Sie einen anderen Fonds wünschen. Es ist schliesslich nicht Ihr Fehler, dass die UBS einfach so die Strategie wechselt.

 

Erschienen im BLICK am 13. Januar 2007

Claude Chatelain