Chatelain rät: Wie sicher sind Kassenobligationen?

Frage: In der «Coopzeitung» fiel mir letzthin das Inserat der Coop-Depositenkasse auf, welches fette Zinsen anpries. Mich interessieren hier die Kassenobligationen, die im Moment mit einer Laufzeit von sieben Jahren 3 Prozent Zins versprechen. Gehe ich bei der Coop-Depositenkasse diesbezüglich ein Risiko ein? U. B., Heimberg BE

In der Tat führt die Coop-Gruppe neben der Bank Coop zusätzlich noch eine Depositenkasse. Sie tut dies nach eigenen Angaben zur Kundenbindung. Die Konditionen sind daher besser als bei Banken - besser auch als bei der Bank Coop, wo Coop als Minderheitsaktionär wirkt.

Die Depositenkasse ist keine Bank im herkömmlichen Sinn. Sie unterliegt nicht dem Bankengesetz und wird auch nicht von der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) kontrolliert. Sie ist eine Betriebssparkasse, die der Finanzabteilung der Coop-Gruppe unterstellt ist. Im Unterschied zu den EBK-kontrollierten Banken können Sparer auch nicht von einem Konkursprivileg profitieren. Für die Einlagen haftet allein die Genossenschaft Coop.

Streng genommen sind Einlagen bei Banken sicherer als Einlagen bei der Depositenkasse. Sollte Coop pleitegehen, dann haben die Sparer der Depositenkasse ein Problem. Doch ich möchte behaupten, bei Genossenschaften ist die kriminelle Energie geringer als bei börsenkotierten Unternehmen mit ihrem unverhältnismässigen Gewinndruck. Die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses der Coop-Genossenschaft erachte ich als gering.

Neben der üblichen Recherche habe ich nach Erhalt Ihrer Anfrage bei der Depositenkasse in Bern vorbeigeschaut. Eine Dame hat mir sehr kompetent Auskunft gegeben. Übrigens: Nicht nur für Kassenobligationen, auch bei den gewöhnlichen Sparkonti zahlt die Depositenkasse höhere Zinsen als die Banken.

 

Erschienen im BLICK am 10. Januar 2007

Claude Chatelain