Chatelain rät: Stelle wurde gekündigt - was jetzt?

Frage: Meiner Partnerin wurde gekündigt. Sie ist bald 60 Jahre alt und geht ab Januar zum RAV. Was passiert jetzt mit ihrer 2. Säule? Kann Sie das Geld bei der Pensionskasse ihrer jetzigen Arbeitgeberin lassen, oder was muss sie unternehmen? U. B., via E-Mail

Ihre Partnerin kann nach dem Austritt nur dann bei der Pensionskasse versichert bleiben, wenn das PK-Reglement dies auch vorsieht. Dies ist aber eher die Ausnahme.

Für Sie stellt sich vorab die Frage, ab welchem Alter die Pensionskasse Frühpensionierungen regelt. Ist Ihre Partnerin bereits im Alter, in dem sie gemäss PK-Reglement Anspruch auf Vorsorgeleistungen hat, ist sie ein Vorsorgefall. Damit erhält sie die gekürzte Rente oder das Kapital. Möglich ist auch, ein Teil in Rentenform und der andere Teil als Kapitalleistung zu beziehen. Dies gilt, wie vorhin erwähnt, nur für den Fall, dass Frühpensionierungen im Alter Ihrer Partnerin im Reglement vorgesehen sind.

Falls das PK-Reglement erst im höheren Alter oder überhaupt keine Frühpensionierungen vorsieht, so ist Ihre Partnerin kein Vorsorgefall, sondern ein Freizügigkeitsfall. Entschuldigen Sie mir diese unhöflichen Titulierungen. Aber die Unterscheidung zwischen Freizügigkeitsfall und Vorsorgefall ist von zentraler Bedeutung. Beim Freizügigkeitsfall wird das Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto einer Bank überwiesen. Ihre Partnerin müsste der Vorsorgeeinrichtung nur noch mitteilen, auf welcher Bank sie das Freizügigkeitskonto errichten möchte.

Das Freizügigkeitskonto hat den Nachteil, dass es keine Renten auszahlt. Falls Sie eine Rente statt das Kapital möchten, kann sich Ihre Partnerin an die Auffangeinrichtung wenden. Arbeitnehmer, die aus der beruflichen Vorsorge ausscheiden und diese weiterführen möchten, können das via Auffangeinrichtung tun. Das bedeutet aber, dass Ihre Partnerin weiterhin Beiträge an diese Vorsorgeeinrichtung bezahlt und zwar die Arbeitnehmer- wie auch die Arbeitgeberbeiträge. Ausserdem kann sie sich nur gemäss dem gesetzlichen Obligatorium versichern. Das Aufnahmegesuch muss spätestens 30 Tage nach dem letzten Arbeitstag bei der Auffangeinrichtung eingetroffen sein.

 

Erschienen im BLICK am 13. Dezember 2006

Claude Chatelain