Help Point: Retrozessionen gehören dem Kunden

Frage: Ich beabsichtige, eine Vorsorgeanalyse durch einen Finanzberater erstellen zu lassen. Nun habe ich gehört, dass Finanzplaner von den Fondsgesellschaften eine Retrozession erhalten. Ist das überhaupt legal? Gibt es eine Kostentransparenz, oder sind das versteckte Vergütungen? Habe ich als Kunde Anspruch auf eine Weiterleitung solcher Retrozessionen? S. E. in N.

Retrozessionen sind in der Finanzbranche üblich - und auch legal. Der Vermögensverwalter kauft bei einer Bank im Auftrag des Kunden Anlagefonds. Der Kunde zahlt dafür eine einmalige Ausgabekommission und dann laufend Depotgebühren. Einen Teil dieser Gebühren zahlt die Bank dem Vermittler zurück - eben Retrozessionen, im Volksmund auch Retros oder Kick-backs genannt.

Diese Art Entschädigung wurde erst durch das Bundesgericht richtig bekannt gemacht. Die höchsten Richter aus Lausanne hatten in zwei Entscheiden im März und im Juni einen richtungsweisenden Entscheid gefällt: Sie sagten, die Retros gehörten dem Kunden. Denn mancher Vermögensverwalter stellt dem Kunden mit der einen Hand die Rechnung, um mit der anderen von der Bank die Retros zu kassieren.

Kein Problem - solange die Kickbacks transparent sind

Verwerflich und illegal ist dieses Tun nur dann, wenn es unter dem Deckel gehalten wird. Wenn aber der Vermögensverwalter alles offenlegt, kann er die Retros behalten, sofern der Kunde damit einverstanden ist. Sie haben es also in der Hand, ob Sie die Kickbacks für sich beanspruchen oder dem Berater überlassen wollen. Ich kenne Finanzplaner, welche die Retros behalten, dafür aber auch die Rechnung nicht allzu hoch stellen. Sie sagen mir, wenn sie die Retros dem Kunden gutschrieben, müssten sie im Gegenzug höhere Honorarforderungen stellen.

Der Entscheid des Bundesgerichts betraf den Fall eines Vermögensverwalters. Sie wollen hingegen einen Finanzplaner aufsuchen. Dieser wird Ihnen womöglich sagen, dass die Finanzplaner von diesem Gerichtsentscheid nicht betroffen sind. Auch Banken und Versicherungskonzerne stellen sich mit juristischen Spitzfindigkeiten auf den Standpunkt, das Gerichtsurteil gelte nicht für sie. Wie in CASH vom 7. September 2006 beschrieben, verweigern einige Vermögensverwalter und Banken die Rückerstattung der Retrozessionen.

Für solche Fälle müssen wir wohl auf ein weiteres Machtwort aus Lausanne warten. Doch Sie sind in einer guten Lage: Sie müssen nicht für entgangene Retros kämpfen. Sie stehen erst vor der Vertragsunterzeichnung. Fordern Sie, dass die Retros Ihnen gutgeschrieben werden - und verlangen Sie das schriftlich.

 

Erschienen im CASH am 7. Dezember 2006

Claude Chatelain