Help Point: Gibts Arbeitslosengeld, wenn man kündigt?

Wer von sich aus kündigt, hat Einstelltage in Kauf zu nehmen.
Wer von sich aus kündigt, hat Einstelltage in Kauf zu nehmen.

Frage: Meine Frau ist 58 Jahre alt und arbeitet 50 Prozent. Wegen des schlechten Betriebsklimas möchte sie am liebsten kündigen. Wie verhält es sich mit der Arbeitslosenversicherung? Hat sie auch bei einem freiwilligen Abgang Anspruch auf Taggelder? Und was ist mit der Pensionskasse? Eigentlich möchte sie lieber die Rente als das Kapital. D.S. in C.

Laut Gesetz ist es nicht einerlei, ob der Job freiwillig oder unfreiwillig quittiert wird. Es gibt sogenannte Einstelltage. Das sind Tage, an welchen die Zahlung des Arbeitslosengeldes eingestellt wird. Etwa dann, wenn man Meldepflichten verletzt oder wenn man - eben - durch eigenes Verschulden arbeitslos wird. Die Dauer der Einstellung kann einen Tag bis höchstens 60 Tage dauern. Dies zusätzlich zu den fünf Wartetagen, die so oder so in Kauf genommen werden müssen. Denn der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung beginnt erst nach einer Wartezeit von fünf Tagen kontrollierter Wartezeit. Im schlimmsten Fall wird Ihre Frau während zweier Monate und einer Woche kein Arbeitslosentaggeld erhalten.

Die Arbeitslosenentschädigung beläuft sich auf 70 Prozent des versicherten Verdienstes. In bestimmten Fällen, zum Beispiel bei Unterhaltspflichten gegenüber Kindern, beträgt sie 80 Prozent. Der maximale Anspruch beträgt im Normalfall 400 Taggelder. Bei Ihrer Frau wären es 520 Taggelder, weil sie das 55. Altersjahr zurückgelegt hat. Und wenn sie noch zwei Jahre ausharrt, wird sie maximal 640 Taggelder erhalten. Auf diesen Anspruch kommt, wer innerhalb der letzten vier Jahre vor Erreichen des AHV-Rentenalters arbeitslos geworden ist.

Zur Frage der Pensionskasse: Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Rente besteht nur bei einer ordentlichen Pensionierung im AHV-Alter. Die meisten Vorsorgeeinrichtungen bieten aber die Möglichkeit an, sich mit einer gekürzten Rente vorzeitig pensionieren zu lassen. Wenn Ihre Frau lieber die Rente als das Kapital wünscht, sollte sie erst dann kündigen, wenn sie das reglementarisch frühestmögliche Pensionierungsalter erreicht.

 

Erschienen im CASH am 7. Dezember 2006

Claude Chatelain