Chatelain rät: Wie ist der Porsche zu versteuern?

Auch Sachtreffer sind zu versteuern.
Auch Sachtreffer sind zu versteuern.

Frage: Den Lottogewinn muss man ja als Einkommen versteuern. Wie verhält es sich bei Sachpreisen? Beispiel: Gewinn eines Luxusautos im «Millionenlos» im Wert von 120000 Franken. Macht der Fiskus in diesem Fall auch die hohle Hand? Wenn dem so ist, kann das holde Glück plötzlich in einer Insolvenz enden. H. M., via E-Mail

Antwort: Das Verrechnungssteuergesetz unterscheidet zwischen Sach- und Geldtreffern. Nur bei Geldtreffern von über 50 Franken wird vor der Auszahlung die Verrechnungssteuer von 35 Prozent in Abzug gebracht. Wobei die Verrechnungssteuer bei einer ordentlichen Versteuerung zurückerstattet wird. Doch bei hohen Gewinnen wird der Steuersatz wegen der Progression derart in die Höhe gejagt, dass er je nach Steuerdomizil über 35 Prozent zu liegen kommt. Damit wäre die Versteuerung des Lottogewinns höher als die Rückerstattung der Verrechnungssteuer. Das sollte jedoch niemanden dazu verleiten, beim Ausfüllen der Steuererklärung den Lottogewinn zu «vergessen».

Der Gewinn untersteht nur dann der Verrechnungssteuer, wenn die Lotterie in der Schweiz durchgeführt wird. Zum Beispiel bei «Euro Millions» ist in der Schweiz Swisslos für die Auszahlung zuständig. Also wird die Verrechnungs- steuer abgezogen. Sollten Sie jedoch den Treffer bei der deutschen Lotteriegesellschaft landen, die mich mit ihren überfreundlichen Damen am Telefon immer wieder nervt, fällt keine Verrechnungssteuer an. Stattdessen wird in Deutschland eine Quellensteuer in Abzug gebracht, die man aber nicht zurückfordern kann.

Auch Sachgewinne müssen als Einkommen versteuert werden. Natürlich gibt es auch hier keine Verrechnungssteuer. Man kann nur schlecht 35 Prozent vom Wert abziehen, sonst erhielten Sie den Porsche ohne Motor (oder ist der Motor mehr wert als die Karosserie?). Somit haben Sie recht: Erhöht sich das steuerbare Einkommen um 120000 Franken, müssten Sie je nach Wohndomizil und Steuerprogression 30000 bis 40000 Franken Mehrsteuern berappen. Manch einer wird also die Karosse wieder verkaufen, um mit dem Erlös die Steuerschuld zu begleichen. Glücklicherweise bleibt dann immer noch ein schöner Batzen. Statt einen Porsche gibts dann halt «nur» einen Audi.

 

Erschienen im BLICK am 6. Dezember 2006

Claude Chatelain