Help Point: Aus obligatorisch wird überobligatorisch

Frage: Ich liess mir 1996 mein PK-Guthaben von 80 000 Franken auszahlen, da ich mich als Maler selbstständig machte. Im Jahre 2000 gründete ich eine GmbH und stellte mich dort an. Zwei Jahre später zahlte ich die Summe von 150 000 in die PK ein. Nun wird der gesamte Einkauf plötzlich als überobligatorisches Altersguthaben eingestuft. Ist das korrekt? M.K. in V.

Korrekt ist das sicherlich nicht. Ob es zumindest rechtens ist, ist unklar. Wir haben hier nämlich eine rechtlich umstrittene Ausgangslage. Die Experten sind sich einig, dass freiwillige Einkäufe grundsätzlich zum überobligatorischen Teil gehören. Unklar ist aber, inwieweit ein einmal erwirtschaftetes obligatorisches Alterskapital gewissermassen geschützt und immer zum obligatorischen Teil gehören wird. In einer Motion verlangte Nationalrat Rudolf Rechsteiner, dass auf allen Urkunden der beruflichen Vorsorge nicht nur die Höhe der Freizügigkeitsleistung, sondern immer auch die Aufteilung in Obligatorium und Überobligatorium ausgewiesen wird. Der SP-Nationalrat wollte mit diesem Vorstoss genau das verhindern, was Ihnen nun passiert ist: dass einmal erwirtschaftetes obligatorisches Kapital später als überobligatorisches Vermögen mit tieferen Leistungen daherkommt.

Das gleiche Problem kennen wir beim Vorbezug für Wohneigentum oder auch bei Scheidungen. Wer für das Eigenheim Gelder vorbezieht und später wieder zurückzahlt, läuft ebenfalls Gefahr, dass die Rückzahlung in den überobligatorischen Topf fliesst, obschon beim Vorbezug auch Teile des obligatorischen Teils angezapft wurden. Leider lehnte der Bundesrat die Motion Rechsteiner ab. Sie können also nur an die Vernunft des PK-Verwalters appellieren, damit er jenen Teil in den obligatorischen Topf wirft, der schon bei der Auszahlung im Jahr 1996 dort war.

 

Erschienen im CASH am 30. November 2006

Claude Chatelain