Chatelain rät: Halbprivat oder privat? Weder noch

Ich war nie ernsthaft erkrankt, lag - ausser bei meiner Geburt - nie im Spital, bin aber seit Jahren halbprivat versichert. Eigentlich möchte ich Kosten sparen und auf diese Versicherung verzichten. Wenn ich aber in ein Spital müsste, würde ich mich masslos ärgern, jahrelang umsonst bezahlt zu haben. Wie löse ich dieses Dilemma? F. H., via E-Mail

Sie haben nicht jahrelang umsonst bezahlt. Sie waren nämlich jahrelang gegen ein Risiko versichert. Gegen das Risiko, bei einem Spitalaufenthalt auf Komfort verzichten zu müssen. Wer für sein Eigenheim eine Feuerversicherung abschliesst, wird sich nach zwanzig Jahren auch nicht grämen, dass sein Häuschen nicht abgefackelt wurde.

Ich kann aber Ihr Problem sehr gut verstehen. Ein Ausweg aus Ihrem Dilemma könnte eine flexible Spitalkostenversicherung sein. Bei diesem Modell entscheiden Sie erst vor dem Eintritt ins Spital, ob Sie sich in der allgemeinen, der halbprivaten oder der privaten Abteilung behandeln lassen wollen. Entscheiden Sie sich für halbprivat oder privat, zahlen Sie einen Selbstbehalt von einigen tausend Franken. Die Höhe des Selbstbehalts variiert von Kasse zu Kasse. Bei gewissen Anbietern können Sie die Höhe des Selbstbehalts beim Abschluss der Versicherung frei wählen.

Die Prämie dieser Flex-Produkte ist je nach Höhe des Selbstbehalts markant tiefer als bei den klassischen Spitalkostenzusatzversicherungen. Und die Flex-Produkte werden von Jahr zu Jahr stärker nachgefragt. Gleichzeitig nimmt der Bestand der Privat- und Halbprivatversicherten laufend ab. 1996 waren noch 18,8 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer halbprivat versichert. 2004 waren es nur noch 8,9 Prozent. Bei den Privatversicherten sank der Anteil von 10,1 auf 3,9 Prozent.

Immer weniger Leute sind bereit, die teure Spitalkostenzusatzversicherung zu bezahlen. Und je mehr Leute aus dieser Versicherung aussteigen, desto rasanter steigen die Prämien. Der Chef einer mittelgrossen Krankenkasse sagte mir einmal: «Die klassischen Spitalkostenzusatzversicherungen, privat und halbprivat, sind Auslaufmodelle.»

Mein Tipp: Wählen Sie ein flexibles Modell. Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft.

Erschienen im BLICK am 1. November 2006

Claude Chatelain