Chatelain rät: Ich eröffne in Spanien ein Geschäft

Frage: Sie haben kürzlich geschrieben, wer die Schweiz verlässt, soll das Pensionskassenkapital in den Kanton Schwyz transferieren. Dort seien die Quellensteuern am tiefsten. Ich war der Meinung, dieser Trick funktioniere ab kommendem Jahr nicht mehr. Ich werde in Spanien eine selbständige Tätigkeit aufnehmen. Kann ich mir nun das gesamte Pensionskassenkapital auszahlen lassen?
W. H., via E-Mail

Sie verweisen gleich auf zwei Gründe, das Pensionskassenkapital vor der Pensionierung auszahlen zu lassen: die Auswanderung und die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit.

Wer eine selbständige Tätigkeit aufnimmt, kann das Pensionskassenguthaben vorbeziehen. Vorausgesetzt, die Ausgleichskasse wird die Selbständigkeit anerkennen. In Ihrem Fall wird sie das nicht tun: Nur wer die selbständige Erwerbstätigkeit in der Schweiz aufnimmt, kann sich das PK-Kapital auszahlen lassen.

Bleibt das Kriterium der Auswanderung: Hier beziehen Sie sich auf meinen Artikel vom 11. Oktober 2006. Einem Leser, der nach Übersee auswandert, erteilte ich den Rat, das Pensionskassenguthaben auf eine Vorsorge- einrichtung im Kanton Schwyz zu überweisen. Auslandschweizer bezahlen beim Bezug eine Quellensteuer. Diese Steuer ist nirgends so tief wie im Kanton Schwyz.

Nun ziehen Sie nicht nach Übersee, sondern in ein EU-Land. Und hier gilt die gleiche Regel nur noch bis zum 31. Mai 2007. Danach treten neue Bestimmungen in Kraft. Wer nach dem 1. Juni 2007 in ein Land der EU oder Efta übersiedelt, kann sich den obligatorischen Teil der Austrittsleistung nur dann auszahlen lassen, wenn er nicht mehr der obligatorischen Rentenversicherung unterstellt ist. Würden Sie also in einem EU-Land einen Job aufnehmen, in welchem Ihnen Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden, könnten Sie den obligatorischen Teil nicht mehr bar beziehen. Stattdessen würden Sie im AHV-Alter auf eben diesem Teil eine Rente erhalten. Dies gilt, wie gesagt, nur für den obligatorischen Teil.

Den überobligatorischen Teil können Sie sich bei der Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland weiterhin auszahlen lassen. Diese Neuerung ist eine Folge der bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz.

 

Erschienen im BLICK am 28. Oktober 2006

Claude Chatelain