Chatelain rät: Schweizer Aktien Vom Rekord profitieren nur wenige

Der Swiss Market Index (SMI) hat den aus dem Jahr 1998 stammenden Höchstwert überschritten - und doch notieren die meisten SMI-Werte deutlich unter ihrem höchsten Wert. Wie kommt das?

Mit der Börseneuphorie Ende des vergangenen Jahrhunderts ist mancher Kleinanleger auf den Geschmack gekommen. Er hat Aktien gekauft, häufig sogenannte Bluechips. Blue heisst blau, so könnte man Bluechips als «Blaublüter» bezeichen. Es sind dies Unternehmen mit einem sehr hohen Aktienkapital. Die Schweizer Bluechips werden im Swiss Market Index (SMI) erfasst. Er setzt sich derzeit aus 26 Titeln zusammen.

Am 21. Juli 1998 erreichte der SMI einen historischen Höchststand von 8489 Punkten. Dieser Wert wurde erst am vergangenen 5. Oktober übertroffen. Doch wer in den Boomjahren 1998 bis 2000 Aktien von Ciba, Zürich, Swiss Life oder Clariant kaufte, ist heute noch Lichtjahre vom damaligen Höchst entfernt. Clariant ist nur ein Fünftel dessen wert, was die Aktie im Sommer 1998 kostete. Bei Zürich und ABB sieht es nicht viel besser aus, obschon die beiden in den vergangenen Jahren gewaltig vorwärts machten (siehe Tabelle).

Von den bekannten Aktien im SMI haben nur UBS, Roche, Nestlé und zwischendurch auch Novartis die Höchststände der Jahre 1998 und 2000 übertroffen. Die Frage drängt sich auf: Wie kommt es, dass der SMI auf Rekordhöhe notiert, obwohl nur eine Handvoll Aktien die früheren Rekordstände zu übertreffen vermochten und andere noch meilenweit davon entfernt sind? Die Antwort: Nicht jede Aktie wird im SMI gleich stark gewichtet. Die Gewichtung erfolgt aufgrund der Börsenkapitalisierung. Diese ergibt sich aus dem Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl gehandelter Aktien. Die Marktkapitalisierung ist bei Nestlé ungleich höher als bei Clariant. Konkret: Der Nestlé-Aktienkurs wird im SMI zu 17 Prozent gewichtet, der Clariant-Kurs zu 0,5 Prozent. Novartis, Nestlé, Roche und UBS haben im SMI insgesamt eine Gewichtung von 64 Prozent. Credit Suisse, die fünftgrösste Aktie, kommt bloss auf 8 Prozent. Bei Swiss Life, Swisscom, Ciba und einem Dutzend weiteren SMI-Aktien liegt die Gewichtung unter 1%.

Es sind also die vier Schwergewichte, die im SMI die Musik machen. Legen Novartis und Nestlé um je 3 Prozent zu, so steigt der SMI um knapp 1 Prozent. Legen hingegen Ciba und Clariant um je 3 Prozent zu, so steigt der SMI lediglich um 0,027 Prozent.

Mancher enttäuschter Anleger sitzt noch auf Ciba-, Swiss-Life- oder Zürich-Aktien. Seine Buchverluste liegen noch heute deutlich über 50 Prozent. Die Lehre: Man kaufe einen Indexfonds, der eins zu eins den SMI abbildet. Ich denke an den XMTCH (Valor: 889 976) der Credit Suisse.

Erschienen im BLICK am 18. Oktober 2006

Claude Chatelain