Chatelain rät: Steuervogt macht die hohle Hand

Für den Steuervogt ist die Lebensversicherung nicht einfach eine Lebensversicherung. Je nach Versicherungstyp wird die Todesfallsumme unterschiedlich besteuert. Dies ist nicht im Interesse des Konsumenten.

Wer seine Familie absichern will, schliesst eine Lebensversicherung ab. Doch nur wenige sind sich bewusst, dass bei der Auszahlung der Todesfallsumme auch der Steuervogt die hohle Hand machen wird. Besonders ärgerlich: Je nach Versicherungstyp fällt die Besteuerung unterschiedlich aus. Das macht das System noch komplizierter, als es sonst schon ist. Im Wesentlichen lassen sich zwei Typen von Lebensversicherungen unterscheiden: gemischte und reine.

  • Die gemischte enthält neben dem Todesfallschutz noch einen Sparteil. Dieser wird nach Ablauf der Vertragsdauer ausbezahlt, sofern der Versicherungsnehmer nicht vorher verstorben ist. Sparversicherungen sind unflexibel, teuer und intransparent. Ich rate davon ab.
  • Die reine Risikoversicherung enthält keinen Sparteil. Es wird lediglich der Tod versichert. Sobald der Schutz nicht mehr nötig ist - etwa weil die Kinder ausgeflogen sind -, kann die Versicherung ohne Verlust gekündigt werden. Dieser Versicherungstyp ist vorzuziehen.

 

Das Problem: Die Todesfallsumme wird bei der gemischten und der reinen Lebensversicherung unterschiedlich besteuert. Bei der gemischten kommt die Erbschaftssteuer, bei der reinen die Einkommenssteuer zum Zug. Beim Absichern des Ehepartners ist natürlich die Erbschaftssteuer interessanter, da ja die Erbschaft unter Ehepartnern in fast allen Kantonen steuerfrei ist. Daher ist die gemischte im Vergleich zur reinen Versicherung steuerlich begünstigt. Das ist durchaus im Sinne der Versicherungswirtschaft. Sie verdient mit langjährigen gemischten Sparversicherungen mehr als mit den reinen Risikoversicherungen. Dem Konsumenten ist damit nicht gedient.

In einer Motion wird nun verlangt, diese ungleiche Behandlung abzuschaffen und auch die gemischte Versicherung der Einkommenssteuer zu unterstellen. Doch der Bundesrat will davon nichts wissen. Er beantragt, die Motion abzulehnen.

 

Erschienen im BLICK am 14. Oktober 2014

Claude Chatelain