PK-Ausweis verstehen

Der Bundesrat will den Umwandlungssatz für Pensionskassenrenten weiter senken. Umso wichtiger ist es daher, vor dem Antritt einer neuen Stelle die Leistungen der Pensionskasse unter die Lupe zu nehmen. CASH Special sagt, worauf es ankommt.

Die Leistungen der Pensionskasse sind neben dem Lohn das wichtigste Entgelt für die getätigte Arbeit. Beim Anstellungsgespräch sollte man daher nicht nur über Lohn, Ferien und Spesenentschädigung sprechen, sondern vor allem auch über die Leistungen der Pensionskasse. Denn die Unterschiede zwischen guten und schlechten Vorsorgeeinrichtungen gehen ins Geld. Leider strotzt das Pensionskassen-Vokabular von unverständlichen Ausdrücken. Es ist daher alles andere als einfach, eine gute von einer schlechten Pensionskasse zu unterscheiden. Eine Wegleitung in fünf Punkten.

1. Der Versicherungsausweis

Auf dem Versicherungsausweis stehen die wichtigsten Informationen. So zum Beispiel die Höhe der IV- und der Hinterlassenen-Rente. Neben dem Arbeitsvertrag sollte der neue Arbeitgeber auch einen Versicherungsausweis vorlegen. Es lohnt sich, den neuen Ausweis mit dem früheren zu vergleichen.

2. Die Leistungen

Die Höhe der IV- und der Hinterlassenen-Rente steht auf jedem Versicherungsausweis. Diese Angaben sind von eminenter Bedeutung. In Kenntnis dieser Zahlen kann man abschätzen, ob Bedarf für einen zusätzlichen Risikoschutz besteht. Auch die Höhe der Altersrente steht auf dem Ausweis. Diese Angabe ist indessen weniger wichtig. Es handelt sich bloss um eine Schätzung. Bis zur Pensionierung wird die Schätzung mehrmals angepasst werden müssen.

3. Der versicherte Lohn

Vom versicherten Lohn werden die Altersgutschriften, also die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge, berechnet. Je höher der versicherte Lohn, desto höhere Arbeitgeberbeiträge werden dem Pensionskassenguthaben beigesteuert. Dass auch höhere Arbeitnehmerbeiträge abgezogen werden, mag im Moment schmerzlich sein. Es ist aber nicht weiter tragisch, da ja diese Beiträge steuerfrei verzinst werden. Laut Gesetz sind die Lohnbestandteile zwischen 22575 und 77400 Franken obligatorisch zu versichern. Ab einem Jahreslohn von 77400 Franken beträgt der versicherte Lohn mindestens 54825 Franken. Er darf auch höher sein.

4. Die Risikobeiträge

Im Gesetz steht, wie hoch die Altersgutschriften im Minimum sein müssen. Für 25- bis 34-Jährige betragen sie 7 Prozent vom versicherten Lohn. Mindestens die Hälfte hat der Arbeitgeber beizusteuern. Nun werden aber nicht die kompletten Altersgutschriften angespart. Ein Teil davon wird für die Prämie der Invaliden- und Hinterlassenenversicherung in Abzug gebracht. Es ist gut zu wissen, wie viel effektiv angespart wird.

5. Der Arbeitgeberbeitrag

Laut Gesetz muss der Arbeitgeber mindes-tens die Hälfte der Altersgutschriften einzahlen. In guten Firmen liegt der Arbeitgeber- über dem Arbeitnehmerbeitrag. In wenigen Fällen zahlt der Arbeitgeber sogar doppelt soviel in die zweite Säule ein wie der Angestellte. Wie auch immer: Arbeitgeberbeiträge, welche über dem gesetzlichen Minimum liegen, sind ein Geschenk an die Versicherten - und erst noch eines, das nicht versteuert werden muss.

Nicht alle diese Angaben stehen auf dem Vorsorgeausweis. Viele wichtige Informationen müssen im Reglement nachgesehen werden. Nicht ganz unwichtig ist auch die Frage, ob die Kasse nach dem Beitrags- oder dem Leistungsprimat funktioniert. Bei den Vorsorgeeinrichtungen gemäss dem Leistungsprimat werden die Renten aufgrund des letzten Gehalts berechnet. Beim Beitragsprimat hingegen berechnen sich die Renten auf der Grundlage der eingezahlten Beiträge. Gerade bei Tiefzinsphasen sind Leistungsprimatkassen für die Versicherten von Vorteil. Denn die Vorsorgeeinrichtung muss die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge unter gewissen Annahmen kalkulieren. Sie muss zur Aufrechnung der Beiträge einen technischen Zins annehmen. Sobald die Marktrenditen unter dem technischen Zins liegen, zahlt die Kasse die Differenz. Das war in den zurückliegenden Jahren der Fall und erklärt auch, weshalb insbesondere Leistungsprimatkassen mit tiefen Deckungsgraden aufgefallen sind.

Immerhin: Einige der wichtigsten Informationen findet man auf dem Vorsorgeausweis. Wir erläutern an dieser Stelle einen Vorsorgeausweis mit Beitragsprimat von der Swiss Life, stellvertretend für die bunte Vielfalt an Pensionskassenausweisen. Denn diese sind leider nicht einheitlich abgefasst, was deren Verständnis zusätzlich erschwert. Nicht einmal die Begriffe sind einheitlich. Ein Beispiel: Einige sprechen vom versicherten Lohn, andere vom anrechenbaren Lohn und nochmals andere vom koordinierten Lohn. Die drei Begriffe bedeuten das Gleiche.

Oft übersehen: Die Pensionskasse ist die wichtigste Lohnnebenleistung.

Arbeitgeberbeiträge über dem gesetzlichen Minimum sind ein Geschenk.

  1. Der Jahreslohn entspricht dem vertraglich vereinbarten Bruttolohn, ohne Überstundenentschädigung und andere Zulagen.
  2. Der anrechenbare Lohn ist ein Synonym für den versicherten Lohn. Auf diesem Frankenbetrag werden die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge berechnet. Der anrechenbare Lohn entspricht dem Jahreslohn minus Koordinationsabzug. Dieser beträgt derzeit 22575 Franken.
  3. Das Altersguthaben ist der Betrag, der dem Versicherten gehört. Man könnte es auch als das individuelle Pensionskassenguthaben bezeichnen. Wie hoch das Altersguthaben per Ende des abgelaufenen Jahres beträgt, sollte jeden interessieren. Ferner wagt die Pensionskasse auf dem Ausweis auch noch eine Prognose. Nämlich wie hoch das Alterskapital bei der Pensionierung ausfallen dürfte.
  4. Der Zinssatz auf dem obligatorischen Teil des Altersguthabens beträgt laut gesetzlichen Vorgaben 2,5 Prozent. Beim überobligatorischen Teil hingegen hat die Pensionskasse freie Hand. Die Swiss Life verzinst diesen Teil zu 2,25 Prozent.
  5. Die voraussichtlichen Leistungen im Alter beruhen auf Daten, die sich im Verlauf der Jahre noch ändern können. So zum Beispiel die Verzinsung des Alterskapitals oder die Höhe des anrechenbaren Lohns.
  6. Der Umwandlungssatz dient der Berechnung der Altersrente. Er kommt nur bei Beitragskassen zur Anwendung. Swiss Life hat zwei Umwandlungssätze, einen höheren für den obligatorischen, einen tieferen für den überobligatorischen Teil.
  7. Die Leistungen bei Invalidität wird sich jeder verantwortungsbewusste Versicherte genau anschauen. Hat der Versicherte Kinder, erhält er zusätzlich zur Invalidenrente noch eine Invaliden-Kinderrente je Kind. Sie beträgt bei Swiss Life 50 Prozent des versicherten Lohnes.
  8. Die Leistungen bei Tod vor Altersrentenbeginn sind vor allem für junge Familienväter von grosser Bedeutung. Bei seinem Ableben vor Rentenbeginn erhält seine Frau eine Witwenrente und jedes Kind eine Halbwaisenrente. Bei Swiss Life kommen auch Konkubinatspartner in den Genuss einer Rente, sofern gewisse Bedingungen erfüllt sind.
  9. Die Finanzierung des Alterskapitals ist häufig bloss im Reglement, nicht aber auf dem Vorsorgeausweis beschrieben. Die gesamten Gutschriften sind mehr als doppelt so hoch wie der Arbeitnehmerbeitrag. Will heissen, dass der Arbeitgeberbeitrag grösser ist als der Arbeitnehmerbeitrag - ein gutes Zeichen.
  10. Die Freizügigkeitsleistung ist der Betrag, den der Versicherte bei einem Stellenwechsel der neuen Vorsorgeeinrichtung überweisen lässt. Wie gross der obligatorische Anteil ausfällt, ist insofern relevant, da der obligatorische Teil besser verzinst wird und höhere Renten abwirft als der überobligatorische Teil. Sogar die Höhe der Freizügigkeitsleistung im Zeitpunkt der Verheiratung wird hier bekannt gegeben. Swiss Life trägt damit dem Umstand Rechnung, dass fast die Hälfte der Ehen geschieden wird. Denn bei einer Scheidung wird nur das Altersguthaben geteilt, das seit der Heirat angespart worden ist. Das Freizügigkeitsguthaben im Zeitpunkt der Scheidung gehört zum Eigengut des Versicherten.
  11. Der Einkauf von Beitragsjahren ist ebenfalls eine wichtige Kennziffer, die man auf Vorsorgeausweisen eher selten findet. Sie gibt an, wie hoch die maximale Einkaufssumme ist. Mit einem freiwilligen Einkauf erhöht man bei Swiss Life die Altersrente, nicht aber die Invalidenrente. Letztere ist bei Swiss Life vom versicherten Lohn und nicht vom Altersguthaben abhängig.

Umwandlungssatz

Bei Beitragsprimatkassen, wie sie mehrheitlich vorkommen, ist der Umwandlungssatz eine der wichtigsten Kennziffern. Er bestimmt die Rentenhöhe bei einem gegebenen Pensionskassenguthaben. Ein Kapital von 100000 Franken ergibt bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine jährliche Rente von 6800 Franken. Seit 1985 lag dieser Satz bei 7,2 Prozent. Er blieb auch in den Neunzigerjahren unangetastet, obschon er aufgrund der steigenden Lebenserwartung nach unten hätte korrigiert werden müssen. Doch die satten Gewinne an den Finanzmärkten überdeckten das Problem der Überalterung. Erst als die Börsen krachten und die Zinsen am Boden verharrten, vermochte sich das Parlament zu einer gestaffelten Senkung von 7,2 auf 6,8 Prozent bis im Jahr 2014 durchzuringen. Die Senkung wurde Ende 2002 beschlossen. Doch dieser Beschluss sollte nicht lange gültig bleiben. Geht es nach den Vorstellungen des Bundesrats, wird der Umwandlungssatz sogar auf 6,4 Prozent gesenkt - und dies bereits bis zum Jahr 2011.

All dies betrifft nur den obligatorischen Teil des Pensionskassenguthabens. Im überobligatorischen Bereich bestimmen die Vorsorgestiftungen die Höhe des Umwandlungssatzes selbst. Daher werden häufig zwei Umwandlungssätze publiziert. Doch manche Vorsorgestiftung wendet trotzdem nur einen Umwandlungssatz an. Dieser Mischsatz liegt unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Satz. Die Vorsorgeeinrichtung muss aber über eine Schattenrechnung sicherstellen, dass die gesetzlichen Mindestvorschriften gewährleistet sind.

 

Erschienen im CASH VALUE am 5. Oktober 2006

Claude Chatelain